Montag, 27. März 2017

Aus der Praxis – Wie erkennen Frauen, ob sie sich in einer Missbrauchsbeziehung befinden?


Malerei: A.Wende

Missbrauchsbeziehungen basieren auf zwei Säulen: Macht und Kontrolle.

Ziel des Täters ist es, die totale Kontrolle über sein Opfer und über die Beziehung zu sichern. Diese oft sehr subtilen Methoden sind nicht einfach zu erkennen.

Sie werden am Anfang einer Misshandlungsbeziehung von den Opfern oft falsch gedeutet. Oft deuten die Opfer Kontrolle als besonders große Liebe oder als besondere Fürsorge und glauben der Täter will nur ihr Bestes.

Anzeichen dafür, dass sie sich in einer Missbrauchsbeziehung befinden:
Kontrolle, totale Vereinnahmung, Manipulation, Demütigung

Der Partner will immer nur mit ihnen Zeit verbringen.
Wenn sie gerade nicht zusammen sind, ruft er häufig an oder schickt unzählige SMS. 
Er beeinflusst den Umgang mit Ihren Freunden, will alle kennen lernen, trifft sich sogar alleine mit ihren Freunden und macht sie bei diesen schlecht.
Er macht die Freunde bei ihnen schlecht. Er meint es nur ja gut, indem er sagt: "Der Freund meint es nicht gut mit dir."
Er selbst hat kaum oder keine Freunde und die wenigen Freunde, die er hat, werden sie nie kennen lernen.
Er will immer mit ihnen allein Zeit verbringen, weil sie der einzige Mensch sind, den er braucht, der ihn versteht und dessen Nähe ihn glücklich macht.
Er entwickelt sich zum Zeiträuber, indem er stets ihre Zeit beansprucht und sie drängt Zeit mit ihm zu verbringen, auch wenn sie eigentlich Zeit für sich selbst beanspruchen. Wird ihm dieser Wunsch nicht erfüllt, fühlt er sich zurückgewiesen und ungeliebt. Er macht ihnen Vorwürfe und unausgesprochene Schuldgefühle.
Er will alles über sie und von ihnen wissen. Am Liebsten würde er in ihr Gehirn kriechen.
Er sagt immer öfter, dass er ohne sie nicht leben kann und dass sie seine große Liebe sind und ihn nie verlassen dürfen.
Waren sie alleine unterwegs, fragt er anschließend nach, wo sie gewesen sind und was sie gemacht haben. Manchmal münden diese Fragen in Eifersuchtszenen oder in unangemessene Wutausbrüche.
Er kritisiert die Menschen mit denen sie sich umgeben und behauptet, er tue das nur um sie zu schützen.
Er macht ihnen Geschenke mit der Absicht sie zu Dankbarkeit zu verpflichten.
Er gibt ihnen das Gefühl, dass sie ihn brauchen und ohne ihn nicht lebensfähig sind.
Er fordert ständig ihre Aufmerksamkeit.
Er fühlt sich schlecht behandelt wenn sie ihn nicht genügend beachten oder ihn kritisieren und reagiert mit beleidigt oder macht ihnen Vorwürfe.
Er kennt ihre Schwächen und nutzt sie aus, z.B. ihre Gutmütigkeit oder ihr Helfersyndrom.
Er belädt sie ständig mit seinen Problemen und will, dass sie sich um ihn kümmern.
Tun sie das nicht macht er ihnen Vorwürfe, nach dem Motto: "Mir geht es so schlecht, weil du nicht für mich da bist."
Er erpresst sie emotional.
Er ist extrem eifersüchtig und unterstellt ihnen, dass sie sich für andere Männer interessieren.
Er hält ihnen ihre alten Beziehungen vor und ist eifersüchtig auf diese.
Er wirft ihnen fälschlicherweise vor, ihn betrogen zu haben oder zu betrügen.
Er macht sie vor anderen lächerlich, beleidigt sie oder verletzt sie auf andere Weise in der Öffentlichkeit. Das Ziel: er will sie klein und abhängig machen.
Er verwendet in einem Streit alles was sie ihm an Schwächen anvertraut haben, gegen sie.
Er unterstellt ihnen eine psychische Störung.
Er schreit sie an, ist sarkastisch, beschimpft und bedroht sie, beleidigt sie, würdigt sie herab, lehnt ihre Meinung ab und nimmt ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht ernst.
Bei einem Streit sind immer sie schuld, er ist nicht bereit seine Seite zu sehen und Mitverantwortung für Konflikte zu übernehmen.
Er wird aggressiv und ausfallend, wenn seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
Wenn sie sich trennen wollen, droht er ihnen mit seinem oder und ihrem Untergang.

Die Spitze des Terrors: Körperliche Gewalt. 
Er stößt sie, packt sie am Arm, boxt sie, schiebt sie weg, hält sie fest, schlägt oder vergewaltigt sie. All das steigert sich und nimmt im längeren Verlauf einer Beziehung kontinuierlich zu.
In vielen Misshandlungsbeziehungen kommt es zunehmend zu verbaler, emotionaler, und körperlicher Gewalt, diese verstärkt sich, sobald das Opfer versucht sich emotional oder räumlich zurückzuziehen.

In Misshandlungsbeziehungen spricht man von einem Misshandlungszyklus: Er besteht aus einer „Honeymoon-Phase“, einer „Phase der Spannungsbildung, einhergehend mit der Destabilisierung des Selbstwertgefühls des Opfers und einem „Ausbruch“, bei dem es zu verbalen und im Extremfall zu körperlichen Attacken und Gewalt kommt. Darauf folgt der nächste „Honeymoon“.  Dieses Muster widerholt sich  in Endlosschleife.
  
Wie fühlen sich die Opfer? 
Zu Anfang glauben Frauen, die in Misshandlungsbeziehungen rutschen, sie haben den Mann ihres Lebens gefunden. Er trägt sie auf Händen, liest ihnen jeden Wunsch von den Augen ab und erfüllt ihn.
Sie sind begeistert von seinem tiefen und nicht nachlassenden Interesse an ihrer Person.
Sie fühlen sich geliebt und verstanden.
Sie schenken totales Vertrauen, erzählen alles über sich und sind überzeugt davon: Das ist der Mensch, der meine Wunden sieht, achtet und heilen kann.
Sie merken nicht, dass dieses „alles Wissen wollen“ dazu dient Kontrolle über sie zu erlangen (Wissen über andere ist Macht).
Sie fühlen sich mit der Zeit von seinen ständigen Anrufen, SMS und E-Mails wie ein Hund an der Leine. Sie haben mehr und mehr das Gefühl nicht mehr frei atmen zu können, sie können sich auf ihre Dinge nicht mehr konzentrieren, weil sie ständig auf „ihn“ reagieren müssen. Sie beschleicht das Gefühl man misstraut ihnen und will sie kontrollieren. Sie werden innerlich immer unruhiger und unsicherer und bitten ihn das zu lassen. Das wird nicht beachtet – die Anrufe und das Kontollieren lassen nur kurz in der Frequenz nach, dann ist es wie vorher.
Um den Stress der Fragen und Rechtfertigungen zu vermeiden, wo und mit wem sie unterwegs waren, verbringen sie immer weniger Zeit mit ihren Freunden oder mit ihren Hobbies. Sie möchten ihn ja nicht verletzen. Sie beginnen immer häufiger klein bei zu geben um die Harmonie zurückzuerlangen, die es Anfangs gab. Sie fühlen sich in ihrem Selbst und ihren Bedürfnissen herabgewürdigt und leiden darunter, dass er ständig ihre Grenzen überschreitet. Er verdreht ihre Emotionen und manipuliert ihre Gedanken und Entscheidungen, sodass die innere Unsicherheit steigt und das Gefühl - ich bin nicht o.k. - wächst. Sie denken, vielleicht bin ich an allem was da geschieht, selbst schuld.

Da es aber eigentlich immer scheinbar nur um kleine Konflikte geht, geben sie um des Friedens willen immer wieder nach und machen sich vor, das seien normale Beziehungskonflikte. Am Ende fühlen sie sich vollkommen vereinnahmt, haben kaum noch soziale Kontakte und sind völlig in der Beziehung gefangen. Ihr Lebensraum ist verengt und genau so fühlen sie sich Innersten: eng und eingesperrt. Sie haben ihr Selbstwertgefühl verloren und leiden unter Schuldgefühlen, denn er meint es ja nur gut. Sie sind seelisch und körperlich völlig erschöpft und emotional oder sogar finanziell abhängig. Sie haben Angst ihn zu verlassen, weil sie glauben, sie sind alleine nicht mehr lebensfähig.

Emotionale Misshandlung ist so subtil, so heimtückisch und so verheerend, weil sie schleichend und subtil vor sich geht und das Selbstbild des Opfers mit der Zeit derart demontiert, dass es nicht mehr weiß wer es ist. 
Die oft jahrelange Kontrolle über das Leben, die Gefühle und Emotionen, die permanente Manipulation und die seelischen Demütigungen führen zu einem Gefühl tiefer Wert- und Sinnlosigkeit und nicht selten in die Depression oder zu Angsterkrankungen. Das Opfer hat das Gefühl wertlos und nicht liebenswert zu sein. Es hat zudem das vernichtende Gefühl, selbst an den Misshandlungen Schuld zu sein, weil man ihm lange genug eingeredet hat, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Frauen in meiner Praxis sprechen von unfassbaren seelischen und körperlichen Demütigungen und (sexuellen) Misshandlungen, die ich meinen Lesern hier ersparen möchte.

Hat das Opfer endlich die Kraft, sich aus einer solchen Beziehung zu befreien, ist diese in den meisten Fällen damit nicht zu Ende. Der Terror beginnt oft erst dann richtig auszubrechen. Der Partner wird zum Aggressor und versucht so weiter die Kontrolle und die Macht über das Opfer zu behalten. Auch wenn das nicht der Fall ist: Das Selbstwertgefühl der Frau ist zerstört und sie hat das Vertrauen in sich selbst verloren. Viele Frauen, die eine solche Beziehug gelebt haben sind traumatisiert. Sie haben Depressionen, Ängste und Panikattacken oder gehen in den sozialen Rückzug.

Es braucht Mut, Kraft, großes Durchhaltevermögen und den Mut zur Selbstreflexion um all das zu verarbeiten und irgendwann wieder ein gesundes, selbstbestimmtes Leben zu führen. 
Wenn sie in einer solchen Beziehung stecken oder sie gerade verlassen haben, suchen sie sich Hilfe!
Den Weg zurück in die Autonomie und zu einem gesunden Selbstwertgefühl schaffen nur wenige Frauen alleine. Die Erfahrung sagt: Es ist möglich!

Und weil ich weiß, dass es möglich ist, helfe ich Ihnen gerne.

Kontakt: Angelika Wende 







Sonntag, 26. März 2017

Den inneren Kampf beenden








Der innere Kampf besteht in all dem, was wir tun um ein unangenehmes oder schmerzhaftes Erleben und Fühlen, zu vermeiden, abzuwehren oder zu kompensieren. Sobald wir eine Emotion verspüren, die wir nicht mögen, besteht bei den meisten Menschen die erste Reaktion darin, mit allen Mitteln zu versuchen die Kontrolle über die unangenehme Emotion zu erlangen um das in den Griff zu bekommen, was sich im Inneren abspielt. Sie versuchen diese Emotion zum Schweigen zu bringen. Innere Monologe um das zu versuchen, können sich so anhören: „Reg dich nicht auf!“ , „Denk nicht dran!“, „Vergiss es, sei nicht traurig!“ Damit kämpfen wir gegen uns selbst und das, was wir wirklich fühlen.
Die Strategien, die wir in diesem Kampf anwenden sind vielfältig. Dazu gehört, vor unseren Gefühlen zu flüchten, uns zu zerstreuen, zu arbeiten, sich abzulenken, Rückzug in die Isolation oder ständig Gesellschaft brauchen, zu viel essen, zu viel trinken, zu viel rauchen und jede Art von Sucht. Wie die Erfahrung zeigt, erweisen sich alle diese Strategien langfristig als wenig hilfreich, der innere Kampf bleibt bestehen.
Jeder Versuch unsere Gefühle wegzudrängen und damit zu unterdrücken ist nicht nur ein sinnloses Unterfangen, es birgt die Gefahr, dass sie sich verstärken, indem sie sich genau von der Energie ernähren, die wir für den Widerstand aufbringen müssen, denn: Widerstand ist Kampf. Und Kampf ist Widerstand. 

Wie können wir den Kampf beenden?
Indem wir unsere Empfindungen und Gefühle willkommen heißen. Indem wir sie zulassen, sie sein lassen, auch wenn sie unangenehm sind und uns dennoch nicht von ihnen überfluten lassen. Um das zu vermögen ist es hilfreich unsere Gefühle zu beobachten. Je mehr wir unsere Emotionen quasi aus der Vogelperspektive beobachten lernen, desto klarer können wir erkennen: Was im eigenen Inneren abläuft ist nicht identisch mit dem, was im Außen abläuft. 

Das große Problem ist, dass wir glauben, dass unsere Emotionen die Wirklichkeit widerspiegeln, in Wahrheit sind sie aber nur unsere emotionale Antwort auf die Wirklichkeit.  
Wir bewerten sie automatisch aus unseren Erfahrungen, Mustern und inneren Überzeugungen heraus. Anstatt in der Bewertungsfalle zu landen, können wir zum Beobachter werden. Zum Beobachter werden heißt: Wir erkennen: "Ich bin nicht das Gefühl. Ich empfinde das Gefühl. Und das ist ein großer Unterschied. Auf diese Weise beobachten wir das Gefühl aus der Distanz, wie der Zuschauer eines Films.  Wir nehmen eine Haltung der Neugier an. Wir versuchen nicht das Gefühl los zu werden und schauen uns genau an wo der Kampf in uns tobt. Wir finden heraus was wir kontrollieren wollen, ohne uns darüber im Klaren zu sein. Wir sind aufmerksam und wir sind wachsam und gleichzeitig lassen wir die Emotion zu, wie sie sich gerade zeigt – wir lassen die Abwehr sein.
Indem wie unseren Gefühlen die Tür öffnen und ihnen beobachtend den inneren Raum geben den sie beanspruchen, akzeptieren wir was da gerade ist. Akzeptieren was ist bedeutet: Mit dem was in uns ist im Einklang zu sein. Einklang ist das Gegenteil von Kampf. Einklang bringt Erleichterung und Beruhigung. Wir lassen davon ab gegen uns selbst in den Widerstand zu gehen, wir lassen davon ab gegen etwas zu kämpfen, was in uns selbst ist.

Indem wir unsere Empfindungen und Gefühle willkommen heißen, indem wir sie zulassen, auch wenn sie unangenehm sind und uns nicht von ihnen überfluten lassen, finden wir zum Einklang mit uns selbst. Und das bedeutet mit uns selbst im Frieden zu sein.

Es liegt eine große Macht darin, den inneren und äußeren Kampf zu beenden und unsere Energie stattdessen in das Handeln für unsere Werte zu stecken.



Freitag, 24. März 2017

Angst will gewandelt werden





Hätte der Verstand die Kontrolle über die Wahrheit deines Gefühls, dann gäbe es keinen unguten Gefühle mehr. 

Aber Gefühle lassen sich nicht kontrollieren. 
Und das ist gut so. Gut, damit die Wahrheit ihren Weg findet. 

Die meisten Menschen tun alles um die Kontrolle zu behalten und sie fürchten sich vor nichts mehr, als sie zu verlieren. 
Wer alles unter Kontrolle haben muss, der fürchtet exakt die Gefühle, die er nicht unter Kontrolle hat.

Wer kontrollieren muss hat Angst. 
Mit der Kontrolle folgt er seinen Angst und macht sie größer und größer.
Er folgt ihr wie ein Jäger und sieht nicht, dass er selbst der Gejagte ist.
Die Angst zeigt ihm, dass er seine Gefühle nicht wirklich kontrollieren kann. 
Und er bekommt noch viel mehr Angst.
Angst wird niemals kleiner durch Kontrolle. 
Sie wird nicht kleiner, wenn wir ihr folgen oder vor ihr wegzulaufen versuchen. 
Sie wird kleiner, wenn wir uns ihr stellen.
Dann erkennen wir:

Angst will uns nicht schaden. 
Auch wenn sie ein sehr unangehmes Gefühl ist.
Angst will bewusst gefühlt werden. 
Damit wir sie wandeln in Vertrauen, in Lebensbejahung, in Freude, in all das, was sie verhindert, solange wir sie nicht wandeln.
Angst will immer gewandelt werden.  
Das ist die Transformation der Angst durch Akzeptanz und Erkenntnis.


Donnerstag, 23. März 2017

Am Ziel



Es gibt so viele Dinge, die kommen und gehen.
Es gibt so viele Menschen, die kommen und gehen.
Freude kommt und geht.
Schmerz kommt und geht.
Glück kommt und geht ...
Alles kommt und geht.

Wenn es wirklich um etwas Wesentliches geht, dann ist das Wesentliche auch da.

Wir sind am Ziel.
Jeder Atemzug ...
Jeder Augenblick Leben ist das Ziel.






Dienstag, 21. März 2017

Integrität






Selbstwahrnehmung, Gewissen, Vorstellungskraft helfen uns unsere tiefsten Werte zu untersuchen. Wir erkennen so, ob das Drehbuch nach dem wir leben, in Harmonie mit unseren Werten ist oder nicht. Wir erkennen, ob unser Leben das Produkt unserer eigenen Gestaltung ist oder das Ergebnis dessen, was wir meinen sein zu müssen oder dessen, was man uns über uns und was wir zu sein haben, beigebracht hat.
Leben wir nach Letzerem überlassen wir anderen oder den Umständen die Macht über uns.
Ein solches Leben fühlt sich an wie ein Käfig.

Wir können uns verändern, wir können verändern was uns nicht entspricht, wir können auf unser Gewissen hören und unsere Vorstellungskraft entfalten, wir können der Gestalter unseres Lebens werden, wir können unser Potenzial entfalten, statt uns Begrenzungen zu fügen, die uns unzufrieden, träge und krank machen.
Wir alle können das.
Aber nicht viele schaffen das. Sie schaffen es nicht, weil sie abwägen, weil sie nach Kriterien von Haben entscheiden und nicht nach Sein. Sie schaffen es nicht, weil sie die Komfortzone nicht verlassen wollen, weil sie Angst haben verzichten zu müssen.
Wer im Käfig sitzt und den Schlüssel aus Bequemlichkeit nicht nutzt, wird niemals fliegen.
Er wird sogar aufhören zu singen.
Er wird seine Träume und Wünsche nicht mehr spüren.
Er wird bereuen, dann, wenn es zu spät ist.
Sich aus dem Käfig zu befreien heißt: Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, sich jeden einzelnen Tag seinen tiefsten Werten zu stellen und mit ihnen im Einklang zu sein. Es bedeutet ein klares Bewusstsein zu entfalten.
Es bedeutet: Sich selbst gegenüber integer handeln.

Montag, 20. März 2017

Wieder und wieder enttäuscht




Zeichnung: Angelika Wende

Manche Menschen ziehen wie magisch Menschen an, die sie belügen, benutzen, hintergehen, enttäuschen, einengen, kontrollieren, emotional verhungern lassen oder mit ihnen spielen. Immer wieder schwören sie sich dann, nie mehr auf so einen Menschen hereinzufallen. Und „bums“ beim nächsten Mal geschieht wieder genau das Gleiche.

Vertrauen ist trügerisch und Verlässlichkeit ist selten. Verlässlich aber sind die unbewussten Motive, die uns zu Menschen hinziehen, die uns seelisch verletzen.

Wer immer wieder in die Falle des Liebesunglücks tappt, hat tief in seinem Innern die Überzeugung, dass er nicht wertvoll und nicht liebenswert ist. Und wer die Überzeugung hat nicht liebenswert zu sein, hat gleich die nächste, nämlich keine Liebe zu verdienen. Ein unheiliger Doppelpack an destruktiven Überzeugungen, der alles andere als das Liebesglück zu uns kommen lässt.

Nicht selten ist auch die Wahl des negativen Selbst. Eine unbewusste Strategie um damit die eigenen ungeliebten Seiten nicht anschauen zu müssen. Wir lassen sie stellvertretend vom Partner leben und sind neben ihm der bessere Mensch. Das hat den Sinn, sich selbst von allen negativen, schamhaften und abgewehrten Schattenseiten der eigenen Person reinzuwaschen, und zwar indem der gewählte Partner sie für uns auslebt. Können wir uns zum Beispiel unsere eigene Schwäche nicht zugestehen und markieren, auch wenn wir längst innerlich zerbrochen sind den Starken, werden wir immer wieder schwache Partner anziehen, haben wir Angst vor Bindung werden wir immer wieder bindungsunfähige Partner anziehen.Wenn wir unsere Autonomie über alles stellen, werden wir Klammerer und Kontrollfreaks anziehen. Haben wir Angst vor Abhängigkeit werden wir immer wieder Co-Abhängige oder Süchtige anziehen. Wer mag liest dazu auch meinen Artikel über die Co-Abhängige Liebe. 
http://angelikawende.blogspot.de/2016/03/aus-der-praxis-co-abhangige-liebe-lasst.html

Hier gilt in der Tat das Gesetz der Resonanz, ganz nach dem Motto: 

Unbewusstes erkennt Unbewusstes blind. 
Das eigene Unbewusste, das eigene Verdrängte nimmt im Außen Gestalt an. Und was uns im Außen begegnet, meinen wir, hat ja nichts mit uns zu tun. Diese Form der Selbststabilisierung wird in der Psychologie auch „interpersonelle Abwehr“ genannt.

Wenn wir immer wieder an den oder die Falschen geraten, stecken dahinter auch unbewusste Beziehungsmuster, die wir seit der Kindheit mit uns herumschleppen. 
Haben wir schon als Kinder ungute Beziehungserfahrungen gemacht, spielen wir diese unbewusst als Erwachsene wieder ab. Neurotischen Beziehungsmuster zeigen sich in unangemessenen Nähe-Distanz-Bedürfnissen, Angst vor dem Verlassen-Werden, der Unfähigkeit Vertrauen zu entwickeln, Schutzmechanismen aus Angst verletzt zu werden und mangelnder Bereitschaft uns emotional zu öffnen und so tief einzulassen. Dabei geht es immer um die gleichen Themen: Nähe kontra Distanz, Vertrauen versus emotionales Einlassen, Dominanz versus Unterordnung, Idealisierung versus Abwertung.

Warum kommen wir aus diesen Mustern nicht heraus, wenn wir doch wissen wie destruktiv sie sind?

Ganz einfach und doch so schwer.
Solange uns unsere neurotischen Beziehungsmuster, Mechanismen und Ängste unbewusst bleiben, drängen sie auf Wiederholung.Solange wir selbst in der Neurose stecken ziehen wir neurotische Menschen an.

Aber wie geraten wir man nun raus aus dem ewigen Kreislauf destruktiver Beziehungserfahrungen und an den, der uns gut tut und dem wir gut tun?
Indem wir an uns arbeiten und an unserer Neurose. Indem wir uns selbst auf die Schliche kommen und indem wir uns unsere Verflossenen anschauen, die eine Menge über uns selbst zu erzählen haben. 

Wir können uns fragen: Was hatten sie für Eigenschaften? Was haben sie gemeinsam? Wie war der Anfang, wie der Verlauf und wie das Ende der Beziehung? Was haben sie bedient, was wir selbst nicht verändern wollen? Wie war die Beziehung unserer Eltern? Wie war die Beziehung zu unserer Mutter und wie die zum Vater?

Das ist eine Menge Arbeit und sie dauert, aber sie ist hilfreich und sie rettet uns davor immer wieder ins Liebesunglück zu stürzen. Das ist es doch wert, oder wollen wir uns das Herz immer wieder brechen lassen? Ewig macht das Herz das nicht mit.
  



Nichts erzwingen





Die Welt geht ihren eigenen Gang, sie wurde nicht dafür geschaffen, dir deinen Willen zu erfüllen. Trenne dich von der Vorstellung, dass alles nach deinem Willen und Wünschen geschehen muss. Sie macht dich unzufrieden und unglücklich.
Es macht keinen Sinn etwas mit Biegen und Brechen erzwingen zu wollen.
Es macht keinen Sinn an verschlossene Türen zu klopfen.
Zieh dich aus Situationen heraus, die dich Kraft kosten und dich nicht weiterbringen.
Entferne dich von Menschen, die dich nicht wertschätzen.
Du muss nichts bis zum Ende aussitzen.
Du kannst gehen. Immer kannst du gehen.
Akzeptiere Grenzen, deine eigenen und die im Außen.
Suche dennoch nach Möglichkeiten.
Wenn du ungeduldig wirst, erinnere dich an den Fluss, der mit Geduld seinen Weg findet.