Sonntag, 15. Oktober 2017

Das Leid ist so groß wie die Schultern, die es tragen müssen





In der Psychologie gibt es die sogenannte Salutogenese. Entwickelt wurde sie von dem jüdischen Psychologen Antonovsky während der Behandlung der Opfer des Holocaust. Er stellte fest, dass obwohl alle die gleichen schrecklichen Erfahrungen machen mussten, manche stärker und andere seelisch zerstört waren. Gleiches entdeckte der Arzt und Psychiater Viktor Frankl, der das KZ überlebte und aufgrund seiner Erfahrungen die Logotherapie entwickelte. Heute sprechen wir von Resilienz, wenn Menschen auch angesichts des Schrecklichen, das ihnen widerfährt, nicht zerbrechen.

Das alles sind Konstruktionen die dabei helfen sollen zu verstehen warum manche von uns stärker werden und andere schwächer, ob der Leiderfahrungen, die uns alle im Leben treffen. „Das Leid ist so groß, wie die Schultern die es tragen müssen“. Ein Satz der zu oben Erwähntem passt und es für mich ganz gut runterbricht auf wenige Worte.

Was dem einen den Lebensmut und die Kraft raubt, ist für den anderen Antrieb weiterzumachen, trotzdem. 

Für mich ist es genau dieses „Trotzdem“ was Menschen nicht aufgeben lässt. Dem was ist ins Auge blicken und ihm trotzen, indem man weitergeht, obwohl es ein verdammt schweres Gehen ist. Dieses Trotzdem ist kein Trotz, der sich in Widerstand zeigt, es ist etwas völlig anderes. Wer ein Trotzdem hat, hat eine entscheidende innere Ressource, die ihn nährt, auch wenn er im tiefsten Tal wandelt und die dunkle Nacht der Seele kein Ende zu haben scheint. Diese Ressource ist die innere Sicherheit die Fähigkeit zu besitzen Krisen und Leiderfahrungen bewältigen zu können. Was dieser Mensch weiß  und annimmt ist, dass Leben eben auch Leid bedeutet und alles was ihm widerfährt Anreiz zum seelischen Wachstum sein kann, wenn er es denn dazu nutzt.

Ein solcher Mensch ist das Gegenteil eines verwöhnten Menschen. Er ist nicht wie der verwöhnte Mensch der Auffassung, das Leben muss immer schön lieb und gut zu ihm sein, weil er unbewusst der infantilen Haltung anhaftet, er habe es verdient. Wir haben nichts verdient, weder das ewige Glück, noch das ewige Leid und Schmerz und Verluste schon gar nicht. Es geht nicht ums Verdienen. Es geht darum zu begreifen, dass das Leben voll ist von Möglichkeiten, und alle, aber auch alle, können uns ereilen. Es gibt Zufälle, es gibt ein Schicksal und es gibt Fehler und Fehlentscheidungen, die wir auf unserem Lebensweg machen, und dieses ganze Konglomerat und noch viel mehr, beeinflusst unser Leben. Mit verdienen hat das absolut nichts zu tun. Das Leben, auch wenn Verfechter des positiven Denkens oder Bücher wie „The Secret,“ uns glauben machen wollen, es sei allein das Konstrukt unserer Gedanken, ist nicht,s was wir absolut in der Hand haben. Sie irren auch wenn sie uns glauben machen wollen, wer gut ist, dem widerfährt nur Gutes oder wer liebt, dem widerfährt nur Liebe. So ist es nicht, sagt die Erfahrung von Millionen Menschen auf diesem Globus.

Wer glaubt, er sei der alleinige Schöpfer seines Lebens blendet aus, was er nicht sehen will, weil es seine Allmachtsfantasie aufs Empfindlichste stört: Leben geschieht und wir haben die Wahl wie wir auf das, was geschieht antworten. Und jede Antwort ist für den, der sie gibt, erst einmal richtig, richtig im Sinne seines Selbstverständnisses, seiner Erfahrungen, seiner Konditionierungen, seiner Überzeugungen und Glaubensmuster, seiner Resilienz und seiner Fähigkeit „trotzdem ja zum Leben zum sagen“, wie es Frankl in seinem gleichnamigen Buch nennt. Dieses Ja zu dem was ist, ist entscheidend um aus dem, was ist, das für uns zu gestalten, was uns hilft weiter zu gehen auf unserem Lebensweg.

Was aber wenn das Leid zu groß ist für die Schultern, die es tragen müssen?
Wenn Menschen ihr Leben von Kindheit an als brüchig und unsicher erfahren, fühlen sie sich mitunter ein Leben lang als würden sie auf unsicherem Boden gehen. Sie haben kein Vertrauen in sich und kein Vertrauen in Welt. Sie haben es schwer ihr Leben zu gestalten und fühlen sich als Opfer der Umstände. Sie kennen Gefühle von Unsicherheit und Hilflosigkeit, aber haben wenig Zugang zu Gefühlen wie Freude, Zuversicht und Leichtigkeit. Meine Erfahrung ist: Hilft man diesen Menschen ihre Biografie im Rückblick zu verstehen, finden sie oft doch noch einen Weg ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu gestalten, trotzdem es nicht so ist, wie sie es gern hätten. Vorausgesetzt da ist ein Wille es zu tun. Und kann ich es alleine nicht, dann kann ich mir Hilfe holen.

Namaste Ihr Lieben

Samstag, 14. Oktober 2017

Vom weiblichen Selbstwert




Der Selbstwert eines Menschen steigt in der Regel im Laufe des Lebens an. Bei Frauen ist dieses Gefühl für den eigenen Wert allerdings meist niedriger als bei Männern, das ergaben psychologische Studien. Viele Frauen reflektieren die Fragen - "Wer bin ich?" und "Was kann ich?"zu wenig. Sich selbst nicht bewusst wahrzunehmen, nicht zu wissen, wo die eigenen Stärken und Schwächen, die versteckten Potentiale und Fähigkeiten liegen, führt zu einem unausgereiften Selbstkonzept und in der Folge zu einem wenig positiv besetzten Selbstbild.

"In der Regel verbirgt sich hinter der prächtigen äußeren Fassade ein emotional verwahrlostes, verzweifeltes Kind, das nach Anerkennung seiner wahren Identität hungert. Die Entdeckung des "wahren" Selbst ist der Ausgangspunkt der Genesung und erfordert eine geduldige, behutsame Pflege des "inneren Kindes", schreibt die Psychologin Bärbel Wradetzky. Sie spricht aus Erfahrung. In Gesprächen mit Frauen beobachte auch ich des Öfteren, dass kein oder nur sehr wenig stabiles Selbstwertgefühl vorhanden ist. Viele Frauen zeigen zwar nach Außen eine starke und selbstbewusste Fassade, dahinter versteckt sich jedoch ein unsicheres, verletztes und sich minderwertig fühlendes Mädchen.

Durch Perfektionismus, besondere Leistungen, einen hohen Anspruch an sich selbst und körperliche Attraktivität versuchen diese Frauen einem Idealbild zu entsprechen, welches das Außen ihrer Meinung nach von ihnen erwartet. Über die Zeit hinweg bedeutet das eine unglaubliche körperliche, geistige und seelische Anstrengung. Diese vermeintlich starken Frauen sind durch Kritik und Zurückweisung sehr schnell zu verunsichern. Die Selbsteinschätzung kippt beim kleinsten Angriff unmittelbar von "ich bin stark, gut und toll“ in ein Gefühl von Minderwertigkeit und endet in dem vernichtenden Glauben nicht wertvoll und nicht liebenswert zu sein. Ein Schwanken zwischen Höhen und Tiefen bestimmt so das Leben. Die innere Balance ist ebenso fragil wie das äußere Bild, das mit zunehmendem Alter, unverwirklichten Träumen und Zielen zu bröckeln beginnt. Diesen Frauen gelingt es nur schwer oder kaum, sich über einen längeren Zeitraum gut und lebendig zu fühlen. Die Folgen dieser inneren Disbalance sind u.a. Depressionen, Burn Out oder Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie. Die Ursache aber ist immer ein fragiles, falsches oder ein in der Kindheit zerstörtes Selbstbild.

Es ist nicht neu, dass Frauen ihr Licht häufig unter den Scheffel stellen, während sich Männer eher überschätzen. Beide Einstellungen entfernen den Menschen von seiner inneren Realität.
Trotz Emanzipation und finanzieller Unabhängigkeit gibt es noch heute intelligente, autonome Frauen, die sich dem Dominanzanspruch des Mannes unterwerfen, sobald sie eine Partnerschaft eingehen. Die Mutter, die meist zeitlebens abhängig war und vergeblich nach Anerkennung gedürstet hat, vermittelt und lebt vor - eine gute Frau soll dem Manne dienen. Dies und das Erfüllenmüssen notwendig geglaubter erotischer Stimulans für den Mann, fungieren unbewusst als eine Art Gegenleistung für Versorgung und männlichen Schutz.

Durch diese verinnerlichten Glaubensätze des vom Patriarchat gewollten kollektiven Bildes von Weiblichkeit befinden sich das weibliche Selbstbewusstsein und die innere Autonomie der Frau in einer bedenklichen Schieflage. „Die Frau sei dem Mann untertan ...“ (Eph 5,22 ff). lautet einer von vielen Frauen verachtenden Texten in der Bibel.

Gerade in der Begegnung mit dem Mann wird die vermeintlich starke Frau schwach.

Hier leben archetypische Muster auf und führen ihr Eigenleben. Frauen spüren intuitiv, dass sich der Mann nur dann stark fühlen kann, wenn sie sich schwach zeigen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Die Erfahrung zeigt zudem - sobald Frauen selbstbewusst auftreten, gefährden sie das Selbstbewusstsein des Mannes. Sie greifen seine Überlegenheitsfantasien an, gelten als unweiblich, zickig oder streitlustig, haben "Haare auf den Zähnen".

Neben allen kollektiven Aspekten und Einflüssen auf das Frausein tragen mangelnde Anerkennung durch den Vater oder die Mutter zu einem weiblichen Selbstkonzept der Wertlosigkeit bei. Ganz zu schweigen von kindlichen Missbraucherfahrungen, egal ob sexueller oder emotionaler Art. Missbrauch zerstört lebenslang das Gefühl des eigenen Wertes, er ist die Vernichtung des ganzen Seins. Eine solche Erfahrung führt zu Schuldgefühlen, dem Gefühl von Schlechtigkeit, Scham und Selbstverachtung. Missbrauch macht Frauen zum lebenslangen Opfer wenn er nicht verarbeitet wird. Diese Opferhaltung drückt sich später vor allem in intimen Beziehungen aus und ist der Nährboden für Probleme in der Partnerschaft. Einerseits ist da die Angst, nicht als Mensch in der eigenen Ganzheit geliebt zu werden, andererseits die Angst, wieder von einem geliebten Menschen benutzt, verletzt oder verlassen zu werden, was paradoxerweise zum Klammern an den Partner führen kann. Eine Nähe, die sucht, was ihr eigentlich Angst macht.

Besonders Frauen, die sich mit ihrer Geschichte nicht auseinandergesetzt haben und immer funktioniert haben, um den äußeren Schein zu wahren und zu bedienen, suchen in einer Art Wiederholungszwang immer wieder Männer, die das Defizit eines gesunden Selbstwertgefühls noch verstärken.

Für einen gesunden Selbstwert aber ist es entscheidend, sich ein liebevolles, anerkennendes und unterstützendes Umfeld bewusst und vor allem selbst wählen zu können, das einen bestärkt, man selbst zu sein und es sein zu dürfen. Also auch schwach sein zu dürfen, vor sich selbst und anderen.
Wer um seinen Wert weiß, ist nicht auf die Bestätigung durch andere angewiesen. Er brennt im Job nicht aus, er ist autonom, er ist auf Augenhöhe mit dem Partner, und lebt unabhängig von guten Ratschlägen seiner eigene Wahrheit und seiner Werte entsprechend.

Der Weg zu einem gesunden Selbstwert ist die Selbstreflexion. Ziel des Weges ist es, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich damit aus der Opferrolle zu bewegen. Dazu gehört, die Ursachen für mangelndes Selbstwertgefühl zu analysieren. Und es gehört dazu, sich selbst zu beobachten und dann Schritt für Schritt alte Verhaltensmuster und innere Überzeugungen zu verändern. Der Weg zum eigenen Selbstbewusstsein hat immer auch einen philosophisch-spirituellen Aspekt. Es geht darum, sich des eigenen Wertes bewusst zu werden, sich selbst kennen zu lernen und sich anzunehmen, mit der eigenen Biografie, die uns zu der Frau macht, die wir sind. Es geht um Persönlichkeitsaufbau und um Authentizität, was nichts anderes bedeutet als dass Denken, Fühlen und Handeln übereinstimmen. Es geht darum, die Maske abzulegen, der eigenen Angst und Schwäche zu begegnen, sie anzuschauen und trotzdem zu handeln. Es geht darum ja zu sich selbst zu sagen, ja zum eigenen Wert. Es geht um das Spüren der eigenen Kraft und Würde.

Freitag, 13. Oktober 2017

Friedlich SEIN



Foto: AW

ich möchte sein wie ein baum
wurzeln schlagen
fest in der erde
und den himmel berühren
und sicher in meines stammes mitte
und gelassen
auch wenn ein sturm mich ins wanken bringt
friedlich SEIN
wie ein baum

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Selbstmitgefühl ist die Wertschätzung unseres eigenen Seins



Foto: A. Wende

Selbstmitgefühl hilft uns dabei wohlwollend, sanft und freundlich mit uns selbst umzugehen. Das geschieht nicht einfach so von heute auf morgen. Es ist eine Sache des Wollens und der Übung. Dabei geht darum innerlich mehr und mehr eine Haltung des Wohlwollens uns selbst gegenüber zu kultivieren. Es geht darum uns gut zu behandeln, besonders auch dann, wenn wir uns nicht gut fühlen.

Selbstmitgefühl ist die Wertschätzung unseres eigenen Seins.
Ich erlebe immer wieder bei Klienten, dass sie sich diese Wertschätzung selbst nicht geben können. Sie beschimpfen sich, sie reden hart und kritisch oder sogar verurteilend mit sich selbst und sind sich dessen oft nicht einmal bewusst. 

Innere Überzeugungen wie: "Ich bin nicht ok", "ich bin nicht wertvoll", nicht liebenswert genug" und tief vergrabene Gefühle wie Schuld und Scham, führen dazu, dass wir mit uns selbst nicht wohlwollend sprechen und demzufolge auch nicht wohlwollend mit uns umgehen. Und weil das schon so lange so ist, fällt es sehr schwer, dass auf einmal zu ändern.

Diese Überzeugungen und Einbildungen sind meist alt, oft so alt wie wir selbst. Sie haben es sich in unserem Hirn gemütlich gemacht. Von dort aus beherrschen sie unser Denken, unsere Gefühle und unser Handeln und machen es uns mit uns selbst ungemütlich. Sie sind zur Gewohnheit geworden. Und das kommt dann auch oft als Antwort: "Ich kenne das nicht anders. Ich bin eben so, ich mag mich nicht sonderlich. Mich selbst lieben, wie soll ich das denn machen?"

Ich spüre Widerstand. Aber genau dort wo der Widerstand ist ist der Anfang des Weges. Es ist von großer Wichtigkeit diesen inneren Widerstand zu erkennen und ihn zu benennen. Ohne ihn zu kennen wissen wir nicht wie wir das durch ihn entstandene Hindernis überwinden können.

Was, könntest du dich heute fragen, ist das Hindernis, das mich davon abhält sanft, freundlich und wohlwollend mit mir selbst umzugehen?

Namaste Ihr Lieben

Montag, 9. Oktober 2017

Liebe rettet nicht. Eine schreckliche Erkenntnis.



Kunst: Malte Lück

Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, mit Ungeliebten vereint sein, von Geliebten getrennt sein, nicht erreichen, was man begehrt – all das ist Leiden. Der Mensch leidet, weil er Dinge zu besitzen und zu behalten begehrt, die ihrer Natur nach vergänglich sind.

Diese Worte sind von Buddha

Nun sind es Worte und Worte helfen denen, die leiden, nur wenig. Ich weiß das aus Erfahrung, auch ich habe gelitten, noch heute gibt es Dinge an denen ich leide und es kommen immer wieder Situationen in meinem Leben, unter denen ich leide und leiden werde. Und es sind genau diese Dinge von denen Buddha spricht, die mich leiden machen. Ich weiß längst, Leid und Schmerz gehören zum Leben. Man kann dies nicht verhindern, Leid ereilt uns weil wir leben. Leben ist auch Leiden. Und damit könnte ich hier einen Punkt setzen.

Ist mir damit geholfen? Ist irgend jemand damit geholfen? Ja, mir ist damit geholfen. Weil ich weiß, dass mein Anspruch an das Leben, dem was Leben ist, nicht gerecht wird. Ich lebe, also muss ich das Ganze (an) nehmen. Ich kann mir nicht nur die schönen Seiten aussuchen, ich muss nehmen was kommt und ich muss lernen damit zu leben und damit umzugehen, ich habe keine andere Wahl.

Leid lässt sich nicht wegmachen, nicht ignorieren und nicht in Freude verwandeln. Es lässt sich nur annnehmen. Traurig aber die Wahrheit. Das Leben beinhaltet eben auch traurige Wahrheiten.

Es gibt Menschen, die sich diesen traurigen Wahrheiten beharrlich zu entziehen versuchen. Sie finden Möglichkeiten und Wege um dem Leid aus dem Weg zu gehen. Sie ignorieren es, sie besaufen sich, sie nehmen Drogen, sie lenken sich ab, sie beschimpfen und verdammen es oder sie kapitulieren vor ihrem Leid. Sie geben sich auf. Sie verdammen das Leben, das es ihrer Ansicht nach nicht gut mit ihnen meint. Wie unzufriedene Kinder, die nicht bekommen was sie wollen, schimpfen, jammern und wüten sie gegen das an, was das Leben ihnen nicht geben will: Dauertüchtiges Glück. Diese Menschen haben das Leben nicht verstanden, sie wollen es auch gar nicht verstehen, sie wollen das, was sie meinen verdient zu haben und bekommen sie es nicht, ist das Leben gemein und grausam, im schlimmsten Falle nicht mehr lebenswert. Der Hass und die Enttäuschung über das gemeine Leben kann sogar soweit gehen, dass Menschen beschließen sich das Leben zu nehmen.

Ich kann sie verstehen. Ich kann verstehen, dass ein Mensch an einen Punkt kommt an dem er nicht mehr weitermachen will, weil der Schmerz, die Last, die Müdigkeit so groß ist, dass seine Seele es nicht mehr schafft. Ich kann verstehen, dass sich Menschen, wenn sie überhaupt keine Lösungsmöglichkeiten für Ihre Nöte und Sorgen sehen können, beschließen, sich aus ihrer Not zu befreien indem sie den Tod wählen. Ich kann verstehen, dass das Gefühl des Scheiterns und der Sinnlosigkeit, die Einsamkeit und die Resignation so groß und übermächtig werden, dass da nur noch Verzweiflung ist. Ich weiß, dass die Verzweiflung der schlimmste Affekt ist. Aus ihr finden wir alleine keinen Ausweg mehr. Manchmal ist die Verzweiflung so groß, dass nicht einmal mehr Hilfe angenommen werden kann. Die Seele hat aufgegeben. Das ist bitter. Das ist das Traurigste was einem Menschen widerfahren kann.

Jeder entscheidet für sich, jeder ist für sich selbst verantwortlich und damit ist er auch der Einzige, der entscheidet, ob er sein Leben beendet, wenn er es nicht mehr aushalten kann.
Aber was ist mit denen, die er zurücklässt?
Was ist mit denen, die ihn lieben und deren Liebe nicht mehr den geringsten Wert hat für den, der sein Leben nicht mehr leben will? Weil er die Liebe nicht mehr spüren kann. Weil er innen tot ist.
Sie müssen erkennen: Liebe rettet nicht. Eine schreckliche Erkenntnis. Auch das musste ich in meinem Leben erfahren. Liebe, die nicht genommen werden kann, richtet nichts aus. Hilfe, die nicht genommen werden kann ist vergeblich. Auch das ist eine Wahrheit, die schwer anzunehmen ist.
Und was fangen wir damit an?
Wir haben die Wahl. Wir könnten sagen: Ja, so ist es und es akzeptieren oder wir können uns wehren gegen das was ist. Was dann? Dann leiden wir.

Wir haben keine Macht über andere Menschen.
Wir haben also auch nicht die Macht einen Menschen, der sein Leben beenden will, davon abzuhalten. Und nein, es ist nicht unsere Schuld, dass wir es nicht vermögen. Es ist seine Entscheidung. Eine Entscheidung, die ihn in seinen Augen erlöst und uns Schmerz zufügt. Aber dieser Schmerz ist geboren aus Egoismus. Wir wollen nicht leiden unter seiner Entscheidung. Das zu erkennen tut weh, genauso weh wie es weh tut, dass ein Mensch, den wir lieben, sich aufgibt. Manchmal im Leben müssen wir erkennen, dass uns nichts bleibt als die Ohnmacht. Und das erfordert Demut. Eine der schwersten Übungen in diesem vergänglichen Leben.

Namaste 






Mittwoch, 4. Oktober 2017

Worauf es ankommt


Installation in der Bonifaziuskirche Wiesbaden von Malte Lück

jeder mensch hat licht und schatten. jeder. entscheidend ist, ob er sich dessen bewusst ist und was er mit den sich widerstrebenden inneren anteilen anfängt. welche er füttert und welche er in seinem leben und in seinen beziehungen auslebt. ich kenne menschen, die schwere fehler gemacht haben und aus diesen fehlern heraus zu einem menschen geworden sind, der für andere da ist, der anderen hilfe und liebe geben kann, aus tiefstem herzen. das macht die fehler nicht ungeschehen, aber sie haben einen sinn, der über das eigene hinauswirkt. und darauf kommt es meines erachtens an: nicht darauf, dass wir unserem egoismus frönen oder aufgrund unserer fehler voller scham und schuld verbittern, sondern darauf, was wir in die welt an sinnvollem hineingeben.

Samstag, 30. September 2017

Der innere Widerstand



Foto AW

In manche Ziele fließt weniger Energie als in den Widerstand ihrer Erfüllung.
Warum ist das so? Warum reden und träumen Menschen von ihren Zielen und tun nichts dafür oder nicht genug um sie zu erreichen? Die Gründe sind vielfältig, sie beginnen dort wo wir nicht fähig sind an uns selbst zu glauben, über die Angst die vertraute Komfortzone zu verlassen bis hin zu einer Resignation, derer wir uns gar nicht bewusst sind, oder schlicht und einfach weil wir zu bequem und zu wenig diszipliniert sind um das, was wir erreichen wollen auch in Handlung umzusetzen.
All das und mehr führt zu einem inneren Widerstand, einem Hindernis, das dazu führt, dass statt dem kontinuierlichen Tun und der Arbeit, die zum Erreichen des Zieles notwendig sind, ein Gefühl der Sehnsucht bleibt. Sehnsucht, dieses köstliche Gefühl aus einer Mischung von Erfüllung und Mangel kann durchaus erfüllen, wenn unsere Träume und Ziele unerfüllt bleiben.

Wer wenig oder keine Energie in sein Ziel gibt, wer sehnt anstatt zu handeln, schützt sich vor Enttäuschungen. Wer nicht wagt, kann also nicht nur nicht gewinnen, er kann auch nocht verlieren. Was ihm bleibt ist das tröstliche: "Ich könnte ja, wenn ich wollte", und das fühlt sich für viele besser an als der Gedanke mit dem zielgerichteten Wollen eventuell zu scheitern. Die Angst zu scheitern ist ein großes Hindernis, dessen sich viele Menschen nicht bewusst sind. Was wenn wir scheitern? Dann sind wir ungenügend, nicht gut genug, unfähig, wettert der innere Kritiker. Und wer sind wir dann vor uns selbst und in den Augen der Anderen?

Widerstand ist eine Art Selbstschutz. Er verhindert, dass wir etwas tun, von dem wir nicht wissen wie es wird oder wie es ausgeht. Und damit bremst er uns aus, verhindert Entwicklung und Wachstum. Das ist sein einer Pol. Aber alles hat zwei Pole, auch der Widerstand. Manchmal bewahrt er uns davor etwas aufzugeben, was vielleicht besser für uns ist, als wir es meinen oder er bewahrt uns davor ein Risiko einzugehen, das einen zu hohen Preis hat.

Bevor wir also Energie in ein Ziel geben macht es Sinn zu fragen: Warum will ich genau das erreichen? Was sind meine Motive?

Unsicherheiten, was unsere Ziele angeht, bedeuten immer, es fehlt der echte innere Drang. Wer diesen besitzt wird losgehen, trotz der Hindernisse die ihm auf seinem Weg begegnen können. Wer ein Herzensziel hat, spürt keinen Widerstand.