Mittwoch, 19. Juli 2017

Gedankensplitter


1 + 1 und ein drittes


der sinn der vereinigung von zwei individuen ist veränderung zu ermöglichen. in dieser vereinigung liegt das potenzial uns zu verändern und aneinander zu wachsen. im anderen erkennen wir wer sind und wer wir zu sein denken. im anderen sehen wir unser licht und unseren schatten. im anderen erkennen wir unsere potenziale und unsere defizite. im anderen spiegelt sich was wir nicht sehen wollen und was wir uns ersehnen. im anderen kommen wir vielleicht an unsere grenzen. im anderen erfahren wir uns in einer tiefe, die wir so nicht kannten. und manchmal schrecken wir dann vor ihm zurück. ihn wahrheit aber sind wir es, die vor uns selbst zurückschrecken. dann wenden wir uns ab vom anderen oder wir sagen ja zu ihm und pflegen die vereinigung genauso vorsichtig und behutsam wie wir unsere träume pflegen.

Montag, 17. Juli 2017

Es geht immer um dieses Kind ...

 

Zeichnung: A.W.

Der wahre Kern unseres Wesens ist ein Kind.
Was diesem Kind gegeben wurde und was diesen Kind nicht gegeben wurde, 
was es an Schmerzhaftem erfahren hat und was es an Verletzungen erlitten hat, 
was es ihm Liebe geschenkt wurde und was ihm an Liebe verwehrt wurde, 
prägt sein Leben als Erwachsener.
Es geht immer um dieses Kind.

Samstag, 8. Juli 2017

Hamburg im Juli 2017


Viele von uns sind fassungslos, ohnmächtig, wütend und wir haben Angst, wenn wir nach Hamburg blicken und dem Inferno, das sich dort seit Tagen abspielt, zusehen. Die Menschen in dieser Stadt stecken sogar mitten drin. Die Gewalt, der Terror und die sinnlose Wut frustrieter, unzufriedener Menschen versetzt eine Stadt in unserem Land in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand.
Mich wundert es nicht, es brauchte nur einen Auslöser, egal welchen, um ein solches Szenario Realität werden zu lassen.

Warum also tun wir so erschrocken? Weil brennende Autos, Feuer in den Straßen und all das andere, was wir an Bildern der Zerstörung plötzlich sehen so nah ist? Weil der Krieg, der überall in der Welt tobt, jetzt hier mitten unter uns sein menschenfeindliches Gesicht zeigt, aus unserer Mitte heraus und nicht von fremden Terroristen angezettelt. Ja das Böse ist in uns, es ist mitten unter uns, es kommt von uns. Das macht Angst. Aber diese Angst wabert schon lange in den Herzen der Menschen. Sie ist nicht neu, nur wird sie jetzt lebendig auf den Straßen und zeigt ihr destruktives Gesicht. Das macht noch mehr Angst. Das macht sogar richtig Angst. Angst, dass das erst der Anfang ist, Angst, dass das auch in unserer Stadt geschehen kann, uns betreffen kann und unsere Familien. Vielleicht ist es so, vielleicht ist es nicht so.

Wir wissen es nicht. Aber wir wissen längst warum wir Angst haben. Weil wir Menschen keine Schwestern und Brüder sind und es niemals waren, weil jeder seinen Egoismus lebt, weil jeder auf sich selbst schaut und wie er das Beste vom Leben erhaschen kann, weil wir unseren Kindern das Funktionieren beibringen, ihnen vermitteln, das nur der Beste siegt und wie sie später erfolgreich sind und viel Geld verdienen um sich viel unnütze Dinge zu kaufen. Weil wir uns keinen Deut mehr um unsere Nächsten kümmern und dabei zusehen wie die Menschlichkeit stirbt, weil wir kein Mitgefühl und keine Hilfsbereitschaft für die Schwächeren zeigen und weil wir Moral, Anstand, Respekt, Demut vor dem Leben und Liebe für uns selbst und andere nur in den Mund nehmen und es nicht leben.

Unsere Angst ist die Mahnung, sie ist zugleich der der Wegweiser, längst ist sie es. Die Mahnung endlich wach zu werden, unseren eigenen Teil an der Misere zu erkennen und einen neuen Weg einzuschlagen. Sie ist es, die tief in uns immer wieder schreit: Zeit etwas zu verändern - in und bei uns selbst. Das können wir tun. Und das ist schon viel, was wir dann tun.
Jeder Einzelne kann das tun, denn alles ist mit allem verbunden und je mehr von uns etwas verändern zum Besseren hin, desto eher verändert sich das Ganze. Wir sind nicht allein. Wir sind zusammen das Ganze. Nur das haben die Menschen vergessen.
Vielleicht ist es zu spät, vielleicht nicht.
Aber es ist mir vollkommen egal ob es zu spät ist, ich höre nicht auf im Sinne einer inneren Wandlung zu leben und zu arbeiten. Das Leben ist jetzt und jeden Moment kann jeder etwas zum Besseren tun .... Und mit diesem Tun wird die Angst kleiner und die Zuversicht größer.

Namaste Ihr Lieben.

Dienstag, 4. Juli 2017

Sei du die Veränderung



Aquarell: AW

Ja, die Welt ist hart, sie ist ungerecht und sie ist nicht mehr in Ordnung. War sie das jemals? Und haben wir vergessen, dass sie es niemals war? An allen Ecken und Enden brennt es. Die Meisten von uns riechen das Feuer, aber löschen tut es seltsamerweise keiner. Geht ja auch nicht, denn dann müssten die, die das Feuer riechen, sich endlich zusammentun und sich bewegen. Tun sie aber nicht. Da ist es doch viel einfacher über das ganze Elend zu jammern und zu klagen, zu wüten und zu hetzen oder Facebook mit Liebe für alle und Selbstliebebotschaften zuzuposten oder sein Glück einer höheren Macht in die Hände zu legen. Tja, dann muss man aktiv nichts tun was das ganze Dilemma abmildern könnte. Nein ich rede hier nicht davon wie wir die Welt retten, aber davon wie wir uns selbst retten, bevor sie untergeht, bis dahin wenigstens ist da schon noch was möglich um den eigenen Seelenfrieden zu erreichen.

Selbstliebe ist da sicher hilfreich. Ich halte viel davon sich selbst lieb zu haben und ich denke das tue ich mittlerweile auch an guten Tagen, aber das Allheilmittel ist sie nicht. Wir sind nämlich soziale Wesen und brauchen einander. Da kann es nicht schaden, einem, der sich selbst noch nicht lieben kann, ein bisschen Liebe zu schenken. Aber der ist ja im Zweifel ein Narziss. Der kann gar nicht lieben, an dem liebe ich mich ab, das lasse ich mal schön sein. Apropos Narzissmus. Eine sehr beliebte Diagnose, die immer mehr Laien zeitgeistgetriggert stellen ohne den blassesten Schimmer davon zu haben was das ist pathologischer Narzissmus. Es ist auch kein Veränderungspotential zum Besseren hin, wenn sich die halbe Welt einig darüber ist, dass das Böse in der Moderne an den bösen Narzissten liegt, die die Macht haben, im Großen und im Kleinen. Wer wählt die denn? Wer setzt die denn auf ihre Posten?

Ich kann das alles nicht mehr hören. Dieses: "Die Anderen sind Schuld" am kollektiven und an meinem persönlichen Unglück. Die Welt ist voll von Menschen die klagen, die hetzen, die wütend sind und Veränderung fordern, aber sie ist ziemlich leer an Menschen, die das tun, was sie tun könnten um das ganze Drama zu entschärfen: Nämlich mal in den Spiegel gucken, bevor sie ihre Hände im heimischen Waschbecken Tag für Tag in Unschuld waschen und sich selbst leid tun oder sich für besser halten als andere. Wie sagte schon Gandhi: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt."

Alles hat zwei Pole. Alles hat sein Gegenstück, alles sind Extreme und diese Extreme berühren sich. Jede Ursache hat ihre Wirkung, jeder Aktion folgt eine Reaktion. So funktioniert das Universum, so funktioniert das, was wir Welt nennen. Und in all dem ist eine Menge Energie. All das ist reine Energie. Sei es auf physischer Ebene, auf mentaler Ebene oder auf spiritueller Ebene. Alles fließt, alles ist in Bewegung und zwar immer in der Polarität. Wo Armut ist ist Reichtum, wo Täter sind sind Opfer, wo Macht ist ist Ohnmacht, wo Liebe ist Nichtliebe, wo Hoffnung ist ist Resignation. Das Eine ohne das Andere gibt es nicht, das Eine könnten wir ohne das Andere weder sehen, noch fühlen, noch unterscheiden. Wir würden ohne die Polarität ziemlich im Dunkeln stehen.

Worauf ich hinaus will?
Dass, wenn alles zwei Pole hat und alles Energie ist, das eine vom Anderen zum Ersten abhängt und zum Zweiten beeinflusst wird, egal ob bewusst oder unbewusst. Alles ist EINS.

Wenn ich also den einen Pol immer schön fixiere z.B. das Jammern und das Klagen und die Wut über all das Böse da draußen, dann sehe ich den anderen Pol gar nicht mehr und meine Energie sinkt mehr und mehr auf den Tiefpunkt. Und diese Energie gebe ich ins Außen. Noch ein bisschen mehr davon, ist ja noch nicht genug.

Wenn ich das unbewusst so mache ist das ziemlich traurig und auch aufgrund meiner beschissenen Biografie eine zeitlang erklärbar, aber auch nur eine zeitlang, denn ich kann etwas was ändern, wenn ich es so wie es ist nicht mehr aushalte. Wenn ich allerdings weiter auf meinem Jammern beharrre, weil ich den Glaubenssatz habe: "Ich kann nicht anders, ich bin halt so und dafür kann ich nichts",  dann schaffe ich mich langsam aber sicher in die Lähmung oder in die Verzweiflung, in die Angst und schließlich in die Depression. Nein, nicht jeder ist für seine Depression verantwortlich, das ist eine Krankheit wie Alkoholismus, ich spreche von jenen, die psychisch noch einigermaßen gesund sind, und das trotzdem tun, bzw. nicht tun.

Ich kenne Menschen, die bei allem was man ihnen an Hilfreichem anbietet sofort abwinken und mir mit dem kommen was nicht möglich ist, wenn ich sinnvolle Möglichkeiten anbiete. Sie beharren auf ihrem wutgefärbten Weltbild, mit der Begründung: "Ich habe immer schlechte Erfahrungen gemacht, ich habe das immer so erlebt." Jo, und dann ist das auch so und wenn das so ist, dann bleibt das auch so. Nein, das ist dann nicht so, denn indem ich an dem klebe, was immer so war werde ich nie etwas anderes erleben. Wieso also keinen Versuch starten? Ehrliche Antwort? Die bekomme ich dann natürlich nicht. Aber sie könnte lauten: Ich hab keinen Bock, denn dann müsste ich ja meine Denkweise über den Haufen schmeissen und das könnte anstrengend werden. Tja, das nenne ich dann Vergeblichkeit und lasse los.

Durch unsere geistigen Bilder erschaffen wir unser eigenes Universum.

Bilder kann man verändern und das nicht nur auf der Leinwand. Wenn wir nur destruktive geistige Bilder denken, kann uns kein Licht aufgehen. Wir sitzen weiter im Dunkeln. Es ist unsinnig solchen Menschen etwas an Möglichkeiten aufzuzeigen, weil sie sie für unmöglich halten. Die destruktive Energie solcher Menschen zieht runter. Es kostet verdammt viel Kraft da eine konstruktive Energie dagegenzusetzen, sie werden den Pegel beharrlich immer wieder nach Unten ziehen um ihre Wahrheit ja nicht verlassen zu müssen.

Diese Welt ist voll von Runterziehern. Und damit meine ich nicht die melancholischen, tiefgründigen Wesen, die so sensibel sind, dass sie das alles kaum noch aushalten, weil sie so dünnhäutig sind wie zarte Membranen. Ich meine die, die sich fett und dick aufblasen und gegen alles wettern, was ihnen nicht in den Kram passt,  die sich als ewiges Opfer der Umstände sehen, keine Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen wollen und mit dem Finger auf alles zeigen, was ihnen angeblich Böses will. Ich meine die, die zu bequem sind an sich zu arbeiten und sich über die fehlende Veränderung in der Welt auskotzen, ohne überhaupt einmal daran zu denken bei sich selbst damit anzufangen, die sich ihren negativen Stimmungen und destruktiven Emotionen überlassen und es ihnen erlauben sie zu beherrschen, weil sie keine Selbstbeherrschung erlernt haben. Übrigens, die gehört auch zur Selbstliebe.

Wir können durchaus den höheren Willen einsetzen um den niedrigen zu überwinden. Das ist schwer, aber möglich. Wer aber in der destruktiven Energie hängen bliebt, hängt in der Spirale nach Unten und muss sich nicht wundern, wenn er mitsamt der bösen Welt gegen die er wettert, ganz Unten landet.





Sonntag, 2. Juli 2017

Glaubenssätze



Foto: AW

Glaubenssätze sind Verallgemeinerungen, die unsere Psyche aufgrund unserer Lebenserfahrungen bildet. Sind diese negativ oder sogar destruktiv und schenken wir ihnen aufgrund alter Erfahrungen weiterhin Glauben, werden wir neue Möglichkeiten, Gelegenheiten, Chancen und Begegnungen die wir im Jetzt machen, aufgrund unserer Programmierungen nicht annehmen können.
Wir tun das unbewusst um uns zu schützen, sprich: Um die alten Erfahrungen in Zukunft zu verhindern, nach dem Motto: Gebranntes Kind scheut das Feuer. Wir werden sogar unbewusst genau das aussuchen was unsere gespeicherten Glaubenssätze bestätigt. 
So entsteht subjektive Wirklichkeit.
Sich seiner selbst bewusst zu werden, bedeutet, sich von den alten Identifikationen zu befreien und sich nicht weiter an die Glaubensätze der Vergangenheit zu halten. Es bedeutet - nicht über eine ungewisse Zukunft nachzudenken. Beides lähmt. Sich seiner selbst bewusst sein bedeutet - sich selbst und das Leben im hier und jetzt bewusst zu erfahren.

Sonntag, 25. Juni 2017

Aus der Praxis – Das "arme" Opfer und der "böse" Narziss



Malerei Angelika Wende

Menschen, die narzisstische Persönlichkeiten anziehen haben in den meisten Fällen selbst eine Persönlichkeitsstörung, daher die Passung. Der, der angeblich bedingungslos liebt, ist meist gar nicht so bedingungslos am lieben, wie er das für sich beansprucht. 

Ebenso wie der Narziss versucht er seine innere Leere zu füllen, und zwar indem er "gebraucht" wird vom anderen. Die Sucht gebraucht zu werden führt dazu, dass er nahezu alles mit sich machen lässt. Ein Mensch, der sich selbst gefunden hat, der in sich selbst ruht, der keinen inneren Mangel verspürt, der emotional nicht abhängig ist, wird sich das selbst nicht antun. Er sorgt gut für sich und grenzt sich angemessen ab. 
Nicht der Narziss ist der "böse"( er hat eine Persönlichkeitsstörung, die er sich nicht ausgesucht hat), es gehören zu dieser Kollusion immer zwei. Das einzusehen bedarf natürlich eine Menge Selbstreflexion und schonungslose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Einfacher ist es natürlich den Anderen anzuklagen und als Täter zu verteufeln. Nur führt das keinen Schritt weiter. Das sogenannte Opfer des Narziss bleibt solange im Teufelskreis der Blindheit dem eigenen Anteil gegenüber stecken, bis es sich fragt: Was in mir lässt diesen Selbstmissbrauch zu?



Montag, 19. Juni 2017

Glück?




Mein Glück, dein Glück, unser Glück? Wir wissen, dass es so nicht funktioniert. Keiner macht den Anderen glücklich. Glück ist ein Vermögen, das in unserem Wesen angelegt ist oder nicht. Vielleicht ist der Mangel an diesem Vermögen das größte Unglück.

Dienstag, 13. Juni 2017

Ja zu dir selbst



Foto: AW

Hör du auf über den Kopf zu leben, versuch mal nicht den Starken zu spielen, wenn du schwach und zerbrechlich bist, probier mal nicht über Konzepte zu denken, die dir Macht über deine Gedanken versprechen, trau dich mal wirklich zu fühlen, was du fühlst. Steig aus Beziehungsverstrickungen aus in denen du das Opfer bist und lerne nein zu sagen.

Sag endlich ja zu dir selbst. Schau hin, sieh dir an, was passiert wenn du nicht lebst was in dir angelegt ist, wenn du in einer Selbstlüge gefangen herumläufst, wenn du in deinem Kopf verhaftet bist, immer an die Erwartungen der anderen denkst und wie du sie erfüllen kannst und dein eigenes Fühlen und Wollen unterdrückst. Egal was du fühlst und was du bist: Du bist richtig und nicht falsch. Nimm dir das Recht, der Mensch zu sein, der du bist. Sag: „Ich bin was ich bin und ich darf sein, was ich bin", und tu endlich was du willst. Und wenn du das allein nicht schaffst, hol dir Hilfe.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Aus der Praxis – Der Hunger nach Leben



Malerei: A. Wende

Wenn wir unseren Gaben und Talenten keine Aufmerksamkeit schenken gehen sie verloren und wir mit ihnen. Unsere Gaben sind unser inneres Gold, sie sind das, was uns zum Leuchten bringt, wenn wir sie ins Leben rufen. Viele Menschen wissen nicht einmal was ihre Gaben sind. Um sie zu entdecken brauchen wir eine bewusste Wahrnehmung über uns selbst. Wir müssen sehen und erkennen, was da in uns an Gold verborgen liegt und es dann hervorholen. Tun wir das nicht töten wir die kreative Lebensenergie in uns ab. Wir fühlen uns innerlich leer. Durch Bewusstsein über uns selbst finden wir einen Ausweg aus der inneren Leere, die uns erfasst, wenn wir kreative Lebensenergie über Jahre unterdrücken, indem wir unsere Talente brachliegen und verrotten lassen.

Vielleicht müssen wir erst einmal tief schürfen um das Gold in uns zu finden. Viele finden das zu mühsam. Sie suchen im Außen was sie so sehnsüchtig vermissen ohne zu ahnen, dass das was sie vermissen in ihnen selbst schon eine Ewigkeit auf sie wartet. Menschen geraten in ihrer Suche nach erfüllender Lebensenergie nicht selten auf den Holzweg. Der Hunger nach Leben wird mit Süchten und anderen Ersatzbefriedigungen zu stillen versucht. Aber das macht nicht satt. Es schreit nach immer mehr aus dem hohlen Bauch. Der Hunger bleibt und am Ende verderben sie sich sogar den Magen mit all dem Ungesunden, das sie ersatzweise in sich hineinstopfen. Es schmeckt auch nicht wirklich gut und man verdirbt daran, je öfter und je länger die ungesunde Kost geschluckt wird. 

Bei manchen Menschen geht das soweit, dass sie sich immer wieder in ungesunde Beziehungen zu Menschen verstricken, die es weder gut mit sich selbst meinen, noch gut mit dem anderen. Diese Verstrickungen sind nichts anderes als der Selbstmissbrauch einer leeren Seele, die verzweifelt nach Fülle sucht. Nur um nicht mit sich selbst klar kommen zu müssen lassen sich viele von uns auf Beziehungen ein, die zu nichts anderem taugen als einen Partner zu haben und dem Alleinsein zu entkommen. Egal ob er säuft, uns schlecht behandelt, egal ob er wertschätzt was wir sind und was wir tun, wir lassen uns einfangen, weil uns das immer noch besser erscheint, als uns die Mühe zu machen uns im eigenen Seelenhaus umzuschauen und zu erforschen wonach wir wirklich hungern. Und dann wird geklagt, dass man unglücklich ist und immer immer an den oder die Falsche gerät. Aber es ist nicht die oder der Falsche, es ist genau der, den wir brauchen um uns die Augen zu öffnen über den Menschen, der wir selbst sind. Nämlich ein, seelisch ausgehungerter Mensch, der nicht weiß, was gut für ihn ist und was ihn verdirbt.

Wie oft höre ich Frauen und Männer frustriert und mit bitterbösen Worten über ihre Partner herziehen noch während sie in einer Beziehung mit ihm stecken. Sie jammern und klagen, sie wollen Mitleid, sie fühlen sich als Opfer eines Narziss, eines Alkoholikers oder gar eines Psychopathen. Sie finden pathologische Diagnosen für den anderen ohne sich selbst und ihren Anteil in der Kollusion zu hinterfragen. Dabei richten sie sich ein in der Beziehung und hoffen, dass es irgendwann besser wird, wenn der Andere sich doch endlich mal ändern würde, sie hoffen auf ein Wunder, das nie geschieht oder dass der Nächste kommt, der es besser für sie macht. Bereit die Selbstmisshandlung beharrlich zu ignorieren und was in ihnen sie zulässt und füttert, verlegen sie sich darauf alles Ungelebte, alles Unschöne, alles Leid auf den Partner zu projizieren, der Schuld hat daran, dass sie so unglücklich sind. Ja, sie sind unglücklich, aber sie machen sich selbst dazu. Keiner kann uns unglücklich machen, wenn wir es nicht zulassen, wenn nicht aufwachen und sagen: Ich stehe dafür nicht mehr zur Verfügung!

Über sich verfügen zu lassen scheint einfacher, denn dann kann man weiter die Rolle des armen Opfers spielen und muss nicht handeln. Man bleibt wo man ist, weil man Angst vor dem hat, was sein könnte wenn man geht. Gehen würde bedeuten zu sich selbst zurückgehen zu müsssen, in die eigene Leere, in die eigenen Schatten, in die eigene Unfähigkeit sich das zu geben, was man vom anderen nicht bekommen kann. Für sich selbst zu sorgen scheint für diese Menchen dem Untergang gleich zu sein. Menschen die so leben haben ihre Selbsterhaltungskraft abgegeben und sie wissen nicht wie sie zu ihr zurückfinden. Zu lange haben sie ihre Kraft verchwendet an Dinge oder Menschen, die sie innerlich nicht voll machen konnten. Artig und fügsam wie ein verängstigtes Kind, das alleine nicht spielen kann, weil es sich tödlich mit sich selbst langweilt, haben sie sich verbraucht und sich ihrer vitalen Lebensenergie berauben lassen. Das zu erkennen ist schmerzhaft und der notwendige Schritt in die Freiheit wird oft deshalb nicht einmal versucht, geschweige denn gewagt. Wird er aber nicht getan, werden diese Menschen den inneren Halt vollkommen verlieren. Sie werden zu Marionetten eines fremdgesteuerten Lebens, in dem sie niemals zufrieden und erfüllt sind.

Vielen Frauen und Männern im fortgeschrittenen Alter steht die Gram über ein ungelebtes Leben ins Gesicht geschrieben. Sie haben alle Weichheit verloren. Sie blicken verhärmt und mit bitteren Zügen aus trüben Augen und man sieht ihnen die grenzenlose Enttäuschung an. Sie haben sich aufgegeben. Sie haben ihre Gaben und Talente, ihre weibliche und ihre männliche Kraft geopfert auf dem Altar einer sinn-und trostlosen Hoffnung, dass ein anderer es für sie gut macht.

Tatsache ist, keiner kann es für uns gut machen. Jeder Versuch in diese Richtung muss scheitern. Der notwendige Weg führt nicht hin zum anderen, er führt hin zu uns selbst. Diese Weg fordert eine klare Entscheidung, nämlich die bisherige Lebenshaltung aufzugeben und eine bessere zu finden. Das geht nur dann, wenn wir bereit sind hinzusehen und zu erkennen: Wir sind nicht das Opfer anderer, wir sind Täter an uns selbst. Ja, es kann sein, dass sich dann ein tiefes Loch auftut, es kann sein, dass wir dann zuerst einmal im Niemandsland stehen in dem uns dieser Niemand ICH begegnet. Der Mensch, der uns am Nächsten ist und den wir so beharrlich ignorieren, weil wir uns insgeheim vor ihm fürchten. Genau davor nicht zurückzuschrecken ist der Moment indem wir beginnen unserer eigenen Kraft zu vertrauen und unsere Gaben zu erforschen um das zu finden, was unseren Hunger nach Leben stillt: Unser inneres Gold. Und das dauert eine ziemlich lange Zeit.

Samstag, 3. Juni 2017

Wenn ich dich nehme, dann nehme ich dich so wie du bist.




Manchmal sind wir so hungrig nach Zuwendung, dass wir sie nehmen, egal woher wir sie kriegen können. Wir sehnen uns danach gesehen zu werden. Am Meisten sehnen wir uns danach, als der Mensch gesehen und angenommen zu werden, der wir sind. Das ist ein zutiefst menschlicher Wunsch. Wir möchten, dass man uns mag wie wir sind und wir möchten als der einzigartige Mensch geachtet und wertgeschätzt werden, der wir sind.

Wir alle sind einzigartig. Keiner ist wie der andere, jeder hat seine eigene Persönlickkeit, jeder ist ein kleines Wunder Mensch. Und jeder von uns hat seine ureigene Geschichte. Viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst, wenn sie einander begegnen und sich kennen lernen. In dieser einzigartigen Geschichte ist ein Wesen verborgen, dass so viele Schalen hat wie eine Zwiebel. Wenn ein Mensch uns wirklich zugeneigt ist, wird er sich die Mühe machen, all diese Schalen behutsam aufzublättern um uns als Ganzes verstehen zu lernen. Er wird beobachten, fragen, zuhören, sich langsam vortasten und sich kein Bild von uns machen, bis er nur annähernd einen vagen Eindruck hat von all dem, was uns ausmacht. Er wird uns nicht vergleichen mit Menschen, die er vor uns kannte oder die er im Jetzt kennt. Er wird sich nicht fragen, wie wir werden könnten und was aus uns werden könnte oder was nicht. Er wird unsere Einzigartigkeit achten und ein liebevolles Interesse daran verspüren, sie in ihrer ganzen Tiefe kennenzulernen. So beginnen Liebesgeschichten. So bleibt Liebe. So kann Liebe wachsen.

Im richtigen Leben ist das, was ich da beschreibe vielen von uns nicht vergönnt. Oder es ist uns einmal vergönnt und wenn das so war oder ist ist das das Kostbarste was uns widerfahren kann. Viele von uns erleben wieder und wieder Begegnungen, die ganz anders sind. Begegnungen, die über die Faszination einen Strohfeuers nicht hinausgehen und uns traurig zurücklassen. Es ist selten, dass wir einem begegnen, der uns sieht ohne seine Gedanken und Vorstellungen über uns zu konstruieren, einer, der uns nicht in eine Schublade steckt  und uns nicht aufteilt in schwarz und weiß, in "das mag ich an dir und das nicht". Das nicht zu tun ist auch nicht möglich, das wäre wirklich zu viel verlangt.

Wir alle belegen den anderen mit dem Eigenen, mit Erfahrungen und Erinnerungen, mit Wünschen, Vorstellungen, Erwartungen oder was auch immer. Vor allem belegen wir einander mit Projektionen und Übertragungen. Und ja, auch ich bin nicht frei davon. Aber, so hart es klingt: damit ist der Käse schon gegessen. Futsch die Illusion, so gesehen, so genommen zu werden, wie wir nun einmal sind. Und dann bleibt uns nur der Rückzug zu uns selbst. Wir gehen zurück in unsere Einzigartigkeit, die so nicht genommen werden konnte vom anderen.

"Wenn ich dich nehme, dann nehme ich dich so wie du bist", sagte einmal einer zu mir.
Das klang ziemlich arrogant in meinen Ohren. Will ich denn den anderen entscheiden lassen, ob er mich nimmt? Wer bin ich denn, abhängig von diesem "wenn, dann"? Nimmt der mich erst wenn er für sich entschieden hat, ob er mich nimmt, weil ich bin wie ich bin und er in der Lage ist mich so zu nehmen? Diese Aussage machte mich ziemlich wütend. Ich habe tagelang über diesen Satz nachgedacht und schließlich kam ich zu dem Schluss.
Da ist etwas sehr Wahres dran. Ich kann den anderen nur nehmen, wenn ich ihn nehmen kann wie er ist. Alles andere wäre genau das, was wir nicht wollen, nämlich als der genommen zu werden, der wir nicht sind. Ich will das nicht.




Montag, 29. Mai 2017

Aus der Praxis – Raus aus der Hilflosigkeitsfalle


 
Malerei: A. Wende

Hilflosigkeit ist ein mieses Gefühl. Ein Gefühl, das viele von uns kennen, aus der Kindheit zum Beispiel oder aus einer Erinnerung heraus, die wir, weil das Gefühl der Hilflosigkeit so übermächtig war, jederzeit wieder abrufen können.

Hilflosigkeit entsteht dann, wenn es aus einem Problem scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Hilflosigkeit ist ein Gefühl, das wir kaum aushalten können. Hilflosigkeit macht uns klein, sie macht uns ohnmächtig, sie nimmt uns die Kontrolle und wir werden uns der Bodenlosigkeit der eigenen Existenz fühlbar bewusst. Sogar der Körper reagiert. Wir sind unfähig klar zu sehen und zu denken, wir können uns nicht mehr konzentrieren, alles verschwimmt zu einer unseligen Melange aus Kraftlosigkeit und innerer Unruhe. Das Herz rast, uns wird schwindelig, wir haben Magenschmerzen, die Muskeln sind permanent angespannt und im Kopf fühlt es sich an als seien alle Hirnwindungen in Watte gepackt. Eine bleierne Müdigkeit macht jede Bewegung zu einem Kraftakt. Der Focus verengt sich und wir nehmen nichts mehr wahr außer dem, wovor wir Angst haben. Hoffnungslosigkeit macht sich breit und der Mut geht verloren. Wir sehen und fühlen nur noch existentielle Bedrohung. Wir wissen nicht mehr wo wir ansetzen sollen, wir haben gefühlt keine Handlungsoptionen mehr. Es ist als hätte sich vor uns eine undurchdringliche Wand aufgebaut. Diese Wand heißt Angst. Es ist die Angst unterzugehen. Was dann einsetzt ist Erstarrung. 
Das ist fatal. Denn genau das Gegenteil würde uns jetzt aus der Hilflosigkeitsfalle heraushelfen.  Bewegung nämlich. Aber genau dazu ist der, der im Tal der Hilflosigkeit festsitzt, nicht mehr in der Lage.

Er ist im Zweifel nicht einmal mehr dazu fähig eine helfende Hand zu ergreifen, wenn sie sich ihm bietet. Er steckt fest in seiner Lähmung und hat allen Antrieb verloren. Er hängt in der Vergangenheit fest, als alles doch so viel besser war. Er klebt förmlich an der Vergangenheit und betrauert das verlorene Leben, das unabänderlich vorbei ist. Er wehrt sich mit jeder Faser gegen das was ist, und damit macht er alles noch schlimmer. Im schlimmsten Falle gibt er sich auf. Das ist der Gipfel der Hilflosigkeit: Sich in die Ohnmacht hineinfallen lassen. 

Was dann?
Dann kann es geschehen, dass Menschen sich aufgeben. Dass sie alles Vertrauen in sich selbst, in andere, in das Leben verlieren. Sie ergeben sich ihn ihr Schicksal und werden zerfressen von Wut und Hass gegen die Welt, die ihnen so unsagbar Schmerzhaftes antut. Irgendwann verliert sich sogar die Wut, sie wandelt sich in Verbitterung, in Selbstzerfleischung, in Selbstablehnung und am Ende in Selbstzerstörung. Sucht und Depression sind die Folgen. Im schlimmsten Falle endet eine solche emotionale Krise im Selbstmord. 

Aber ist das eine Lösung,  auch wenn es scheinbar keine Lösung mehr gibt. 
Gibt es nicht einen anderen Weg?
Es gibt immer einen anderen Weg, vorausgesetzt, dass man ihn zu sehen gewillt ist und der Spirale der Selbstzerstörung noch nicht vollkommen anheim gefallen ist. Denn dann geht nichts mehr.

Sicher gibt es Situationen von Hilflosigkeit aus denen es kein Entrinnen gibt. Dann nämlich, wenn wir Opfer von Gewalt werden, wenn es ans Sterben geht oder wenn etwas, das mächtiger ist als wir, was immer es auch sei, unser Leben in der Hand hat. Aber davon spreche ich hier nicht. Ich spreche von der Hilflosigkeit mit der wir alle irgendwann einmal oder sogar mehrmals im Leben Bekanntschaft machen. Ich spreche von der Art von Hilflosigkeit, die sich einstellt, wenn wir etwas verlieren, was uns ausgemacht hat, etwas, das die Säulen unserer Existenz bedeutet hat und das ist für jeden von uns etwas anderes. Ich habe es erlebt, mehr als ein Mal, dass mir genommen wurde, was ich zu sein glaubte, was ich besaß und worüber ich mich definiert habe und was ich liebte. Ich kenne das Gefühl der Hilflosigkeit und der Ohnmacht, ich kenne den Schmerz und ich kenne die Angst. Ich weiß wie sich das anfühlt und ich weiß, wie es sich in diesem Zustand lebt: Man lebt am Rande der Verzweiflung. Und weil ich es kenne, weiß ich auch, dass es immer einen Weg heraus gibt, vorausgesetzt, man will da raus. 
 
Dazu gehört, dass man akzeptiert, dass es ist wie es ist. Dass man akzeptiert, das man manches im Leben, was einem Sinn und Halt gab aufgeben muss und es zurücklassen muss in der Vergangenheit wo es unwiderruflich als Erinnerung seinen Platz bekommt. Das ist bitter, das ist traurig, das kann uns in Momente der Verzweiflung stürzen und es kann sehr lange dauern bis man wir es betrauert und überwunden haben. Und es kann sein, dass diese Wunde niemals heilt. Auch damit lässt sich leben.

Wer aber in der Hilflosigkeit stecken bleibt verwehrt sich diesem Prozess. Er steckt fest wie ein trotziges Kind, das partout nicht begreifen will, dass es seinen Willen nicht bekommt. Das will, dass alles sein soll wie es war, dass die Dinge bleiben sollen wie sie sind. Dies ist eine kindliche absolute Forderung, die uns das Leben nicht erfüllt. "Du kannst nichts erzwingen, also lerne das zu akzeptieren!" Das lehrt uns die Hilflosigkeit. Wenn wir uns dagegen wehren, lehnen wir die Verantwortung ab mit dem was ist klarzukommen, auch wenn es höllisch weh tut. 

Wer in der Hilflosigkeit stecken bleibt, bleibt gewissermaßen im Trotz stecken, er trotzt dem, was das Leben von ihm fordert, Wandlung nämlich. Trotz ist eine paradoxe Anpassung. Im Trotz verschafft sich der Trotzende die Illusion unabhängig zu sein. Er gaukelt sich vor seinen Willen durchzusetzen gegen das was ist, indem er nein dazu sagt. Das ist verhängnisvoll, denn das Nein zu dem was ist, bedeutet nicht Unabhängigkeit von dem was ist, es ist Abhängigkeit von dem was ist und führt in die Erstarrung. Nichts geht mehr, die Ohnmacht siegt und der Untergang ist besiegelt. Hilflosigkeit fordert uns auf etwas zu tun. Sie fordert uns auf zu erkennen, was genau uns denn hilflos macht. Und meist ist es nicht das Problem an sich, sondern das, was wir darüber denken.

Es gibt immer Lösungen. Solange wir leben. Das muss der Hilflose erst einmal anerkennen und annehmen wollen.  Dann muss er schweren Herzens in Kauf nehmen, dass Lösungen nicht unbedingt den Königsweg bedeuten, sondern vielleicht erst einmal der kleine mit Dornen bewachsene Weg, den er beschreiten muss um aus seinem Dilemma herauszufinden. Abstriche machen, kleine Brötchen backen, Verzicht üben und mit dem klar kommen was noch da ist. Dazu gehört eine große Portion Demut. Auch das lehrt uns die Hilflosigkeit. 

Solange wir die Aufmerksamkeit auf das richten was uns hilflos macht, kommen wir nirgendwohin. Betrachten wir die Hilflosigkeit als Aufgabe, stellen wir uns damit einer Herausforderung die uns das Leben stellt. Wir entscheiden uns für den mühseligen Aufgang anstatt uns dem Untergang zu überlassen.




Sonntag, 28. Mai 2017

Zu viel Angst



Malerei: A. Wende

Sie redeten.
Zerredeten.
Redeten sich die Angst ein und die Angst aus.
Und immer wieder ein: Das mit uns kann nicht gehen
Und vielleicht war es so, dass es nicht gehen konnte.

Zu viel Angst.
Wo Angst ist, kann Liebe nicht fließen.
Wo Angst ist, ist Enge und keine Bewegung.

Ein Wegrennen manchmal, dann.
Vor Einander wegrennen.
Vor sich selbst wegrennen.

Und dann wieder das Gefühl des Hingezogenseins.
Einer zum Anderen hin.

Warum sonst redeten sie?
Redeten.
Stundenlang.
Tag für Tag.

Warum reden und nicht aufhören, weil es doch nicht gehen konnte?
Angst.
Angst vor dem was sein könnte -
dann, wenn es nicht gehen konnte. 


Dienstag, 23. Mai 2017

Vom konstruktiven Umgang mit Ohnmacht


Die Konfrontation mit der eigenen Ohnmacht ist ein bedrohliches Gefühl.
Aber sie ist auch ein Zeichen für das Mögliche, denn in der Handlungsunfähigkeit liegt der Appell die eigene Sichtweise zu verändern und zu erweitern.
Wenn wir uns ohnmächtig fühlen ist es hilfreich die Bedingungen der Ohnmacht zu erkunden.
Im ersten Schritt könnten wir uns fragen:
Wie kam es dazu?
Was habe ich selbst dazu beigetragen?
Was genau macht mich ohnmächtig?
Sind es äußere oder innere Bedingungen?

Im zweiten Schritt gilt es die das alte Leben, die alten Ziele, die Vorstellungen wie etwas zu sein hat und die bisherige Blickweise auf Probleme in Frage zu stellen.
Auf diese Weise kann es gelingen das schöpferische Potenzial, das durch die Ohnmacht blockiert ist, freizusetzen.

Montag, 22. Mai 2017

Lektionen




Malerei: AW

du denkst das universum hat endlich einsicht und schickt dir ein wunderschönes päckchen.
du machst es auf und bist glücklich. dann siehst du beim genaueren betrachten, dass scheisse drin ist. und du denkst, wieder verarscht.
aber so ist es nicht, das universum verarscht dich nicht. du kriegst solange diese art päckchen, bis du sie nicht mehr aufmachst, weil du die scheisse schon vorher riechst.

Sonntag, 21. Mai 2017

Leben mit einem Narziss ...



Malerei: Angelika Wende

Wie tief muss die Not eines Menschen sein, um andere zu demütigen und sich dadurch besser zu fühlen, für einen Moment.
Doch dieser Moment reicht nicht, reicht nicht aus um die Not zu lindern.
Und immer neue Momente.
Immer wieder demütigen.
Immer wieder entwerten. 
Immer wieder verletzen.
Laut und leise verletzen
Den Anderen.
Und sich selbst besser fühlen.
Besser?
Nicht mehr so klein innen.
Nicht mehr so leer innen.
Nicht mehr so einsam innen.
Nicht mehr so bedürftig innen.
Nicht mehr so voller Angst innen.
Nicht mehr so voller Schmerz innen. 
Ein Schmerz ohne Ende.
Leben mit einem Narziss ...

Samstag, 20. Mai 2017

Raus aus der Lähmung


Foto: AW

Stillstand im Leben entsteht oft aus einem Gefühl der Ratlosigkeit. Ratlosigkeit wiederum führt zu Motivationslosigkeit. Wie hoch unsere Motivation ist hängt davon ab, ob wir ein Ziel haben, für das es sich lohnt Energie aufzuwenden. Wer weiß, was er will, bringt auch Energie auf, das zu tun, was er will. Wissen wir hingegen nicht was wir wollen, haben wir keine Idee wie es weiter gehen soll. Dann fühlen wir uns schwach und gelähmt. Wir sind blockiert.

Sicher gibt es im Leben ausweglos erscheinende Situationen, in denen wir glauben, nichts geht mehr. Aber auch wenn eine Situation noch so ausweglos ist, es gibt immer einen Weg. Vielleicht nicht den, den wir uns erträumen oder wünschen, vielleicht nicht den großen Glückbringenden, den wir uns erhoffen – aber es gibt einen Weg, immer, so lange wir leben.
Bleiben wir jedoch in der Ratlosigkeit stecken bleiben wir genau dort wo wir sind. Und im schlimmsten Falle versinken wir im Sumpf der Tatenlosigkeit.
 

Was ist hilfreich um da raus zu kommen?
Frag dich nach deinen Zielen.
Frage dich, was du tun würdest, wenn du könntest wie du wolltest.
Und schreib es auf.
Schreib so viel auf, wie dir dazu einfällt, setze dir keine Begrenzungen mit deinem üblichen „Geht ja doch nicht“ oder „Das wird sowieso nichts“.
Dieses Denken ist wie eine Wand zwischen dir und dem Leben, die du selbst errichtest.
 

Versuche es: Schreib einfach alles auf, als ob es keine Begrenzungen gäbe und schau was passiert.
Wenn du es zulassen kannst, wirst du spüren, dass etwas ins Fließen kommt. Das ist ein erster kleiner Schritt, der eine wichtige Aufgabe hat: Du kommst für einen Moment in der Zeit aus der Lähmung heraus. Du bekommst wieder ein Gefühl für das, was möglich ist.

Wie sagte einst Hermann Hesse ...
"Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen."
Und so ist es.

Freitag, 19. Mai 2017

Realität



Foto: AW


"Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben." So lautet ein Zitat von Phillip K. Dick
Es gibt Leute, die glauben, dass Realität nur eine Konstruktion unserer Gedanken und inneren Glaubensmuster ist. Sie glauben sogar daran, dass sie Kraft ihrer Gedanken, die Realität zu ihren Gunsten verändern können.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Realität unabhängig von unseren Überzeugungen und Glauben existiert. Denn das, was nur existiert, wenn oder weil wir daran glauben, ist keine Realität. Es ist eine Konstruktion von Realität.
Daher ist es sinnvoll sich der Realität zu stellen und sie als solche anzuerkennen, anstatt sich vozumachen, dass es sie nicht gibt und in der selbstgeschusterten Illusion von Realität hängen zu bleiben. Realität verschwindet nicht, wenn wir nicht daran glauben. Wir können was real ist nicht verschwinden lassen. Was wir beeinflussen können ist - WIE wir mit der Realität umgehen wollen. Und das bedeutet: Angemessenes Handeln, ob dessen was ist.

Dienstag, 9. Mai 2017

Wenn ich Dich denke ...





Wenn ich dich denke, ist es als blicke in einen Spiegel

Ich sehe meine Angst und meinen Mut

Ich sehe meine wirren Gedanken und meine tiefe Klarheit

Ich sehe meine innere Not und meine innere Stärke
Ich sehe mein Ganzes und meine Scherben

Ich sehe meine Zerrissenheit und meine Verzweiflung

Ich sehe meine Sehnsucht, meine Suche und meine Freude
Ich sehe mein Vertrauen und mein Misstrauen 
Ich sehe meine Vergangenheit und mein Jetzt
Ich sehe meine Wunden und mein Gold 
Ich sehe meine Neugier und meine Zweifel

Ich sehe mein Ringen nach Leben und meine Ohnmacht dem Sterben gegenüber

Ich sehe meine Obsession und meine Leidenschaft und mein Glück

Ich sehe meine Kraft, meine Zuversicht und meinen Glauben

Ich sehe meine Trauer, meinen alten und meinen neuen Schmerz
Ich sehe mein loderndes Feuer und meine kühle Asche 
Ich sehe meinen festen Boden und meine Bodenlosigkeit

Ich sehe meine Gaben, meine Wünsche und meine Träume

Ich sehe meine Liebe und meine Zärtlichkeit 

Ich sehe mich in meinem Hell und meinem Dunkel

in dir

durch dich

zu mir hin

zu dir hin ...



Für D.


Freitag, 5. Mai 2017

Ich mag Wahrhaftigkeit





Ich mag keine Spielchen

Ich mag keine Vielleichtchen
Ich mag keine Zweideutigkeiten
keine Unklarkeiten
keine Versprechen in Worten und dann Taten, die Worte Lügen strafen

Ich mag Offenheit
Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber
Ich mag Klarheit
Eindeutigkeit
Mut zu dem zu stehen was ist
auch wenn es weh tut
und es aussprechen
und kein Taktieren 
Ich mag Wahrhaftigkeit.

Freitag, 28. April 2017

"Schreib es Dir von der Seele" – Mein aktueller Kurs in der Wiesbadener Freien Kunstschule




Schreiben ist selbstwertdienlich. Das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung und aus den Erfahrungen vieler meine Klienten, denen ich das Schreiben ans Herz lege. Sie alle empfinden es als hilfreich. Und genau das ist es: Hilfreich in allen Lebenslagen.

Wer über sein Leben schreibt und es schreibend betrachtet, findet Klarheit und zu sich selbst. Schreiben ist der Schlüssel zu unserem Gefühlsarchiv. Schöpferisches Schreiben ist wichtig für alle, die professionell mit Sprache arbeiten. Schreiben dient unterschiedlichen Zwecken. Der erste und vielleicht wichtigste ist, Freude zu haben. Beim schöpferischen Schreiben brauchst du keine Vorkenntnisse. Das einzige, was zählt, ist deine Neugier.

6 Gründe, warum dieser Kurs Dich garantiert weiterbringen wird:

1. Weil Schreiben uns hilft zu verarbeiten und zu verstehen
Schreiben hilft uns uns selbst besser zu verstehen. Die Rückschau auf unser Leben beispielsweise erlaubt uns, Muster zu erkennen und so den roten Faden zu begreifen. Schreiben ist hilfreich, um Altlasten weniger Macht zu geben und sie abzulegen oder bestimmte Situationen, die uns noch heute belasten, anders zu bewerten und damit besser zu bewältigen. Schreiben kann uns aus einem tiefen Loch und aus kreativen Blockaden bringen. Denn, wenn wir denken, es geht nicht weiter, können wir genau darüber schreiben. Und dann geht es weiter, zuerst auf dem Papier und später im Leben.

2. Weil es uns uns selbst näher bringt
Schreiben ist ein Weg und ein Werkzeug, uns selbst, die eigenen Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte zu hinterfragen, Neues an uns zu entdecken, Potentiale auszubilden und um ungute Glaubensmuster aufzulösen. Über das eigene Leben zu schreiben, ist ein wundervoller kreativer Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

3. Weil es das Selbstwertgefühl stärkt
Wer schreibt nimmt sich selbst intensiver wahr. Er erfährt, dass er eine eigene Stimme hat, und er kann stolz auf deine verfassten Texte sein. Er findet Zuhörer für seine Themen.

4. Weil es Ängste und Blockaden löst
Ängste, die wir nicht ausdrücken, blockieren unser Leben. Was sich nicht ausdrückt, drückt sich ein. Schreiben ist Selbstausdruck und löst so innere Blockaden. Den inneren Kampf beenden heißt: Uns mit dem Teil, den wir als größer empfinden als uns selbst, zu arrangieren. Es heißt, unseren Dämon lieben lernen. Dieser Dämon heißt meistens Angst. Angst hält uns klein. Schreibend hören wir auf vor diesem inneren Dämon davonzulaufen, wir schauen ihm ins Gesicht und konfrontieren uns mit dem, was wir fürchten. Angst, die nicht benannt wird, beherrscht das Leben. Es ist ok, Angst zu haben, sie ist ein gesundes Warngefühl, aber lass sie dich niemals von dem, was du tun willst, abhalten. Schreiben bringt uns mit der Angst auf Augenhöhe und verleiht uns den Mut, trotz der Angst zu handeln.

5. Weil es hilft, Krisen zu meistern
Schreiben ist deshalb so hilfreich, weil sich in Krisen der Blick verengt: Alle Türen scheinen verschlossen, alles Schöne fällt aus unserer Wahrnehmung heraus, die Welt zeigt sich Grau in Grau. Schreiben ist oft der erste Weg, aus dem inneren Gefängnis auszubrechen.
Bei Krisen, Krankheiten, Schicksalsschlägen, Trennungen und Verlusten hilft es, sich den Schmerz von der Seele zu schreiben. Schreiben kann dann ein Ventil sein. Schreiben hilft, Lebenskrisen als Chance zu begreifen und konstruktiv damit umzugehen.

6. Weil es Sinngebung im Jetzt ist.
Schreiben ist hilfreich, um Klarheit zu erlangen über das, was war und das, was ist.
Unsere Erinnerungen prägen uns zwar, sie sind aber keineswegs eine objektive Wiedergabe unserer Vergangenheit. Was war, muss nicht so bleiben. Unsere Sicht auf die Dinge entscheidet, woran wir uns erinnern, wie wir uns erinnern und wie wir aufgrund unserer Erfahrungen weitermachen wollen. Schreiben ist nicht nur Verarbeitung, wir formen damit auch unsere Sicht von Welt. Schreiben öffnet den Raum für Probedenken und Probehandeln. Schreiben hilft, das Leben im Jetzt zu gestalten.
Fang jetzt damit an!

Ich freue mich ein inspirierendes, spannendes Miteinander!

Herzlich,
Angelika Wende


Kursbeginn: Samstag, 13. Mai 2017 von 15 bis 17 Uhr.
Der Kurs geht über 4 Wochen.
Wir treffen uns jeden Samstag immer von 15 - 17 Uhr
Ort: Der Kurs findet in den Räumen der wfk, Wiesbadener Freien Kunstschule, Friedrichstraße 7, 65185 Wiesbaden statt.

Infos und Anmeldung:
Mail aw@wende-praxis.de
Website: www.wende-praxis.de

Mittwoch, 26. April 2017

Über die Klage



FOTO: AW

Sich zu beklagen ist für manche Menschen eine lebenslange Gewohnheit und sie kämpfen darum sie nicht aufgeben zu müssen. Sie glauben sich zu beklagen sei das Zeichen eines sensiblen Menschen, dem man schweres Unrecht getan hat.
„Warum ich?“, fragt sich dieser Mensch.
„Warum nicht ich?“, könnte er sich fragen.
Sich beklagen ist das Zeichen eines unreifen Menschen, der den Kinderschuhen nicht entwachsen will. Es ist das Zeichen eines Menschen, der sich allein um sich selbst dreht, der nur sich selbst sieht, der nicht bereit ist, sein Sein in einem großen Zusammenhang zu sehen.
Er klagt, weil ihm nichts Besseres einfällt.
Er klagt weil er meint, dass ihn das Klagen zu etwas Besonderem macht. Er klagt, weil er nicht bereit ist loszulassen, was ihn in seinen Augen zu etwas Besonderem macht, wenn er sonst schon nichts Besonderes tut. Klage aber ist nichts weiter als eine infantile Weigerung gegen das, was das Leben an Aufgaben an uns stellt. Die Klage aufgeben heißt, zu erkennen, dass wir die alten Geschichten nicht mehr brauchen und sie endlich wegzuwerfen, weil sie uns absolut nichts nützen und Leben im Jetzt verhindern.

Sonntag, 23. April 2017

Verantwortung für unsere Bedürftigkeit übernehmen





Die Mehrzahl der Menschen fühlt sich in irgendeiner Weise bedürftig. Auch ich spüre in einigen Bereichen meines Lebens Bedürftigkeit. Nach einem lieben Gefährten zum Beispiel, der meine Visionen teilt und an meiner Seite geht. Nach Menschen, die sich für die gleichen Themen interessieren wir ich, nach Menschen, die mich inspirieren, mich weiter bringen und begeistern, nach Menschen von denen ich lernen kann. Und wenn ich ganz lange darüber nachdenke fällt mir sicher noch einiges ein wonach ich bedürftig bin. By the way, es ist sehr aufschlussreich sich einmal die Zeit zu nehmen, nachzudenken und aufzuschreiben wonach wir bedürftig sind.

Bedürftigkeit entspringt einem inneren Mangel. Dieser Mangel trägt bei jedem von uns einen anderen Namen. Dem Einen mangelt es an Nähe, an Liebe, an Aufmerksamkeit und an Wärme, dem Anderen mangelt es an Bewunderung, an Zuwendung und an Lebensfreude, dem Anderen an Erfolg, Macht oder Geld.  

Was macht das mit uns, wenn wir einen Mangel verspüren? Was können wir tun?
Die Meisten denken über diese Fragen erst gar nicht nach. Sie wollen, das wonach sie bedürftig sind vom Anderen haben. Sehr viele Beziehungen basieren auf dieser Bedürftigkeit und der inneren Überzeugung, sich das beim Anderen zu besorgen zu können, was wir uns selbst nicht geben können. Besser, was wir glauben, uns selbst nicht geben zu können. Nun hat diese Strategie sich beim Anderen holen zu wollen, was man so nötig braucht einen ziemlich unseligen Aspekt: Die Anderen sind auch bedürftig. Die Anderen spüren auch einen Mangel. Sie fühlen genau das, was wir selbst fühlen und sie wollen genau das, was ihnen fehlt, auch von uns haben. So tun sich in den meisten Fällen zwei Bedürftige zusammen, die ihren inneren Mangel durch den Anderen füllen lassen wollen. Und schon sind wir bei den Erwartungshaltungen, die wie uns die Erfahrung immer wieder zeigt, in den meisten Fällen mit einer mehr oder weniger bitteren Enttäuschung endet.

Wenn ich zurückblicke auf einige Beziehungen, die ich in meinem Leben hatte, so muss ich mir eingestehen, dass ich sehr oft genau das beim Anderen gesucht habe, von dem ich mir selbst nicht vorstellen konnte, es mir zu geben. Und ich muss erkennen, dass ich immer wieder an Menschen geraten bin, die das mit mir genauso gemacht haben. Sie wollten etwas von mir, was sie sich selbst nicht geben konnten und sie beklagten nach einer Weile, dass ich es ihnen auch nicht geben konnte und umgekehrt habe ich es genaus gemacht.  Am Ende der Klage kamen die Vorwürfe und die Schuldzuweisungen und manchmal sogar Bitterkeit und Hass. Das war dann das Ende einer Illusion, die keiner von Beiden als solche erkannt hat.

Die Wahrheit ist nämlich: Wir finden beim Anderen nicht was wir brauchen. 
Wir finden es vielleicht für eine Weile. Am Anfang einer Liebesbeziehung bekommen wir die Zuwendung, die Wärme und die Aufmerksamkeit, nach der wir so bedürftig sind. Wir sind für den Anderen ein Faszinosum. Und er ist es für uns. Wir sind voller Energie, weil wir im Anderen das zu finden glauben, wonach wir so bedürftig sind. Wir fühlen uns voll, wo vorher eine emotionale Leere war und nennen uns glücklich. Das ist eine wundervolle Erfahrung. Ich bin für jede dieser Erfahrungen in meinem Leben dankbar. Und weil unser Herz so voll ist, denken wir: So soll es sein, so soll es bleiben. Aber irgendwann müssen wir erkennen, dass es nicht so bleibt. Denn jetzt kommt der entscheidende Punkt: Was passiert, wenn der Andere uns nicht mehr gibt, was wir brauchen? Was ist, wenn seine Faszination nachlässt oder die unsere? Was ist, wenn er seine Liebe zu uns verliert oder wir die Liebe zu ihm? Dann stehen wir da wie eine leere Hülle. Die Zuwendung des Anderen fällt weg und wir fühlen uns leer. Wir fallen emotional in ein tiefes schwarzes Loch. Wir stehen wieder alleine da mit unserer Bedürftigkeit und weit und breit ist da nichts, was diesen Mangel füllen kann.
Wir müssen erkennen, wir haben dort gesucht, wo das, was wir brauchen, nicht oder eben nur für eine Weile zu finden ist. Wir erkennen vielleicht sogar, dass die Liebe des Anderen eine Notwendigkeit war um uns voll zu machen und nicht, wie es sein sollte, ein Geschenk, das wir dankbar annehmen ohne mehr zu erwarten oder gar einzufordern, als der Andere zu geben hat. Wir haben uns getäuscht, aber nicht im Anderen, der sich in uns genauso getäuscht hat, wir haben uns getäuscht, was uns selbst angeht. Und wir haben einander getäuscht. Die Meisten von uns brauchen viele dieser Enttäuschungen um endlich zu begreifen, dass das, was sie erfüllt, das Herz, das sie wärmt, nicht bei anderen, sondern in ihnen selbst zu finden ist - und ist es dort nicht, ist es nirgendwo.

Bedürftigkeit ist immer ein Tauschgeschäft, verbunden mit der inneren Erwartungshaltung: Ich gebe dir und du gibst mir, was ich brauche und umgekehrt, du gibst mir, dann gebe ich dir.  
Nimmt der Andere sein Geben zurück nehmen wir unser Geben zurück. Den Wenigsten ist das bewusst. Sie verbringen ein ganzes Leben mit dieser Art von Tauschgeschäften mit wechselnden Partnern. Aber spätestens dann, wenn der Mangel wieder und wieder zu spüren ist, wird es offensichtlich: Die eigene Leere, die eigene Bedürftigkeit ist nur durch einen Menschen auf Dauer zu füllen und dieser Mensch sind wir selbst. Das was wir brauchen müssen wir lernen uns selbst zu verschaffen, sonst sind wir auf ewig Abhängige.  Wir leben fremdbestimmt von unserer Unfähigkeit die Fülle in uns selbst zu spüren. Aber sie ist da. Sie ist in jedem von uns. Nur -  solange wir uns nicht darum kümmern sie in uns lebendig werden zu lassen, leben wir ohne ein Gegenüber, das uns auffüllen soll, wie ein Vampir – blutleer und bedürftig nach dem warmen Blut der Anderen.

Aber was können wir tun, wenn wir uns dermaßen bedürftig fühlen? Was können wir tun um dieses um Zuwendung und Liebe kämpfen zu beenden?
Wir können uns eingestehen, wie bedürftig wir sind. Das ist der wichtigste Schritt: Die eigene Bedürftigkeit annehmen, akzeptieren, dass es so ist und dass es nichts Verwerfliches ist, aber etwas, was es in uns zu heilen gibt. Wir können all die schmerzlichen Gefühle, die unsere Bedürftigkeit in uns auslöst fließen lassen und uns unsere Trauer darüber aufrichtig eingestehen. Was uns das bringt? Es befreit uns vor immer neuen sinnlosen Versuchen andere zu benutzen, es bewahrt uns vor weiteren Enttäuschungen, es befreit uns von dem kindlichen Erwartung, dass Andere dazu da sind, unser Bedürftigkeit auszugleichen oder gar zu beenden. Damit übernehmen wir endlich die Verantwortung für uns selbst. Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Bedürftigkeit. Wir lernen darauf zu verzichten, dass andere unseren inneren Mangel beheben und wir lernen auszuhalten, dass dieses Gefühl des Mangels schmerzt. Wir lernen es mit uns selbst auszuhalten. Wenn wir das aushalten können haben wir den entscheiden Schritt getan: Wir beginnen uns um uns selbst zu kümmern und uns selbst das zu geben, was wir so nötig brauchen. Und mit der Zeit wird uns geschenkt, was wir brauchen.

Sonntag, 16. April 2017

Persönliche Auferstehung



Foto:www

Wann immer du in einer belastenden Situation oder in einem Konflikt gefangen bist, könntest du dich fragen: Bin ich präsent im Jetzt oder reagiere ich gerade aus alten Konditionierungen, Mustern, Erfahrungen und Erwartungen heraus? Wann immer wir verletzt werden, besonders als Kind, wird uns etwas Essentielles gestohlen. Aus unseren alten Verletzungen heraus schaffen wir uns innere Überzeugungen und persönliche Wahrheiten, die dazu führen, dass wir, wenn wir mit einer ähnlichen Verletzung konfrontiert werden, an die ursprüngliche Verletzung erinnert werden. Das Unbewusste unterscheidet nicht zwischen dem was war und dem was jetzt ist. Wir gehen reflexartig in eine Art Trance nach hinten in unsere Vergangenheit. Wir fühlen uns so ohnmächtig und wertlos wie damals und reagieren im Jetzt aus diesen alten Gefühlen heraus. Damit beherrschen uns die Wunden der Vergangenheit bis in unser Heute.

Wenn wir uns dessen bewusst sind können wir uns entscheiden. Wollen wir trotz dieses Wissens das Opfer, das wir einmal waren, bleiben? 

Dann benutzen wir die Opferhaltung als Rechtfertigung dafür, dass wir nichts verändern. Oder sind wir präsent in der Gegenwart und entscheiden uns dafür aus der Opferrolle auszusteigen und die Verantwortung für unsere Leben im Jetzt zu übernehmen, auch wenn das bedeutet, über den eigenen Schatten springen zu müssen? Springen wir nicht, erlauben wir den alten Wunden uns zu definieren und zu dominieren. Natürlich macht es Angst die Komfortzone zu verlassen. Aber macht es nicht mehr Angst in Mustern stecken zu bleiben, die uns vielleicht ein Leben lang zu hilflosen Wesen machen, die von der eigenen unguten Vergangenheit bestimmt werden?

Das Leben ist zu kurz um zu wenig achtsam zu sein.
Achtsam uns selbst gegenüber und damit selbstfürsorglich. 


Selbstfürsorge bedeutet auch die Bereitschaft alte Verletzungen nicht in Endlosschleife zu wiederholen. Eine solche Haltung ist selbstverletzend. Sie schadet keinem anderen als uns selbst. Wir tun uns weiter an, was uns einmal angetan wurde. Wir selbst sind es, die uns damit schaden, wenn wir uns weigern anzuerkennen, wer wir im Jetzt sein können und ewig darauf beharren, dass wir nun mal nicht anders können, weil uns Schlimmes widerfahren ist. Das ist als würde man sein Leben auf einem Altar des Leidens bauen und diesen ständig voller Selbstmitleid anbeten.
Vom Selbstmitleid zum Selbstmitgefühl, dahin geht der Weg in die Autonomie als selbstbestimmter Mensch. Und das bedeutet auch: Aufzustehen, für sich selbst einzustehen und uns die Macht über uns selbst zurückzuholen, die man uns genommen hat, als wir uns nicht wehren konnten. Jetzt können wir es. Wir können auf(er)stehen. Das ist für mich die persönliche Auferstehung eines erwachsenen Menschen.

Gesegnete Ostern, Ihr Lieben!