Montag, 20. November 2017

Eine Sache, die wir selbst zu erledigen haben



Malerei: AW

Das Gefühl der Machtlosigkeit basiert auf dem Glauben und der Erwartung, dass unser Verhalten auf das gewünschte Ergebnis keinen Einfluss hat.
Das Gefühl der Bedeutungslosigkeit basiert auf dem Glauben, dass das, was wir sind und was wir in die Welt zu geben haben keinen Wert hat.
Das Gefühl der Sinnlosigkeit erwächst aus der Unfähigkeit, Tätigkeiten zu finden, die uns wertvoll erscheinen.
Das Gefühl der Einsamkeit basiert auf dem Gefühl des Getrenntseins.
All diese Gefühle füttern das Lebensgefühl des Nichtvollständigseins und führen zur Selbstentfremdung. Diese können wir nicht einfach so auflösen. Wir können sie zuerst einmal nur annehmen. Das Gefühl des Getrenntseins ist Teil des Lebens. Je weniger wir fähig sind damit umzugehen, desto bedürftiger sind wir, desto größer und manipulierbarer sind unsere Beziehungsansprüche und desto mehr suchen wir im Außen nach etwas, das uns halten und versorgen soll. Wir verlangen von anderen, dass sie unsere symbiotischen Verschmelzungswünsche erfüllen sollen. Das Fatale daran ist, dass wir im Grunde genau wissen, dass dieser Wunsch unerfüllbar ist. Trotzdem halten wir daran fest, anstatt diesem kindlichen Verschmelzungswunsch zu ent-wachsen, indem wir beginnen das eigene Leben als das zu akzeptieren was es ist: Eine Sache, die wir selbst zu "erledigen" haben und für die wir keinem anderen die Verantwortung in den Schoß legen können. 

Sonntag, 19. November 2017

Gedankensplitter




Foto AW

oft geschieht es, dass wir an etwas festhalten, das uns nicht gut tut und unsere entwicklung blockiert. besonders im kämpfen um einen menschen, der sich nicht helfen lässt, der keine bereitschaft hat sich zum eigenen besten zu verändern, ist dieses festhalten vergeblich. dennoch halten menschen weiter fest, immer nach gründen suchend warum das loslassen nicht möglich ist.

diese gründe sind vielfältig - sie gehen von liebe, mitgefühl, hoffnung und schuldgefühlen - ich kann ihn doch nicht fallen lassen - bis hin zu der unbewussten angst, ihnen selbst fehle dann etwas im leben - das kümmern um den anderen nämlich. letzlich ist aber genau das der grund, warum man loslassen muss: um zu lernen sich um selbst zu kümmern. dann vielleicht lernt der andere das auch ... vielleicht.

Freitag, 17. November 2017

Das Große ist im Kleinen, das Kleine im Großen enthalten


Foto: AW

Im Zen sagt man ... An der Art und Weise, wie der Schüler seine Schuhe abstellt, das Wasser behandelt, die Blumen gießt, sieht der Lehrer den Fortschritt des Schülers. Der ZEN-Novize, der nicht in der Lage ist, seine Schuhe ordentlich vor dem Meditationsraum abzustellen, wird die Erleuchtung nie erlangen. Wenn wir Chaos in unserer Wohnung haben, wenn wir das Chaos, was auf unseren Schreibtisch oder in unseren Schränken herrscht, sehen, wenn wir den Schmutz und den Dreck, der in den Straßen unserer Städte herum liegt sehen - können wir feststellen, wie viel noch zu tun ist um das Chaos in unserem Leben zu bewältigen.
Das Große ist im Kleinen, das Kleine im Großen enthalten!

Montag, 13. November 2017

Lesung



U n t e n
in den Schatten finden wir, was wahr ist in uns
unten
in den Schatten lebt, was uns lebt
unten
in den Schatten wirkt alles, was uns begleitet
und manchmal
entgleitet es uns

Samstag, 11. November 2017

Wir werden kein Anderer






Was war ist geschehen. Es ist vollkommen sinnlos auf Erlösung zu warten von dem was war.
Es geht nicht um Erlösung, denn es gibt sie nicht.
Es geht um Akzeptanz - es geht um Akzeptanz in dem Sinne, dass wir nicht akzeptieren was war, sondern, dass wir nicht ändern können was war.
Es geht darum zu akzeptieren: Das ist meine Biografie.
Das bin ich, der Mensch, der diese Geschichte hat.
Es geht nicht ums Wegmachen, es geht um das Annehmen dessen, was war und ist.
Es geht darum zu verstehen, warum wir sind, wie wir sind und unser Sosein mitfühlend und liebevoll anzunehmen.
Wir werden kein Anderer, wir werden im besten Falle der Beste, der wir sind - mit der Kenntnis all der Teile in uns, wie sie sind.
Das ist genug.
Das ist das JA zu uns selbst.
Das ist die Arbeit an uns selbst, die zu machen ist.
Dieses JA, ist es wirklich gelungen, verändert unser Leben.

Freitag, 10. November 2017

Veränderung findet im Jetzt statt und nicht irgendwo, wo etwas erreicht werden muss.


Foto AW

"Wenn du es erreichen willst, hast du es schon verfehlt", lautet ein Satz aus dem ZEN. 
Im Erreichen wollen liegt immer die Unzufriedenheit mit dem, was jetzt ist.  Was macht diese Unzufriedenheit mit uns? Sie hindert uns daran, das, was gerade ist, wahrzunehmen, zu fühlen und wertzuschätzen. 
Etwas erreichen wollen macht Anstrengung im Kopf. Und je hartnäckiger wir uns auf das Erreichen versteifen, desto mehr Anstrengung und desto mehr Stress im Kopf. Die meisten Menschen wollen alles schnell erreichen und am Liebsten ohne viel dafür tun zu müssen. Sie bemühen sich gedanklich auf ihr Ziel zuzusteuern. Und während sie sich verbissen auf das zu Erreichende hindenken, übersehen sie was jetzt ist. Dabei übersehen sie: Nur im Jetzt liegt das, was wir haben und was wir sind. Im Erreichen wollen erfährt das Jetzt keine Aufmerksamkeit und wenn dann nur negative, weil das, was jetzt ist, wollen wir ja so nicht haben.
Mit dieser Haltung sitzen wir im Ungewissen, unzufrieden mit dem was ist und unwissend in Bezug auf das, was noch nicht ist. Wir sitzen im Ungewissen, allein wissend, was wir so nicht wollen und anders wollen, aber nicht wissend wie da überhaupt hinkommen. In diesem Zustand fühlen wir uns verloren.
Grundsätzlich ist das Setzen von Zielen natürlich nichts Ungutes. Wir brauchen Ziele. Wie fände Entwicklung statt, wo bliebe Sinnhaftigkeit, wo Wachstum, ohne dass wir Ziele verfolgen? Das Problem ist das unbedingte erreichen Wollen.  
Im unbedingten Wollen geschieht nichts. Es hält den Status Quo aufrecht, schafft Schwere anstatt Leichtigkeit. Aber es ist gerade die Leichtigkeit, die wir benötigen um uns dem Prozess zu überlassen, der Veränderung überhaupt erst bewirken kann. 
Der Klient der zum Coaching kommt will etwas erreichen. Und ich frage natürlich nach seinem Ziel. Ich frage um eine Vorstellung davon zu bekommen, was es ist, womit es ihm besser gehen würde. Der Prozess der gemeinsamen Arbeit dient auch dazu dieses Ziel immer wieder zu überprüfen. Ein Beispiel: Der Klient kommt mit dem Ziel: „Ich möchte endlich eine glückliche Beziehung haben“. Gut.Aber, wieso ist da im Jetzt keine glückliche Beziehung? Gründe dafür gibt es viele. Der Urgrund aber liegt meist in uns selbst.
Im Laufe des Coachingprozesses könnte sich für den Klienten herausstellen: „Jetzt bin ich nicht bereit für eine Beziehung. Ich bin gar nicht in der Lage eine glückliche Beziehung zu führen, weil ich zu mir selbst keine erfüllende Beziehung habe. Wie also sollte es mir mit einem anderen dann gelingen?
Solange der Klient mit sich selbst nicht in einer hinreichend guten Beziehung ist, ist das Ziel in einer glücklichen Beziehung zu sein, also nur der Ausdruck des inneren Mangels, der Probleme, die er in der Beziehung zu sich selbst hat – sprich: Ausdruck der unglücklichen Beziehung mit sich selbst. Also will er eine Beziehung, die ihn glücklicher machen soll -  mit sich selbst. So traurig es erst einmal ist: Es wird nicht gelingen, weil das Ziel nicht erreicht werden kann, solange das Problem im Jetzt nicht gelöst ist. Er wird entweder weiter alleine bleiben oder in Beziehungen landen, die ihn nicht glücklich machen. Das Ziel im Jetzt müsste sein -  mit sich selbst gut zu werden.

Veränderung findet im Jetzt statt und nicht irgendwo, wo etwas erreicht werden muss. Der Weg ist das Ziel, bekommt so einen Sinn. Und der Weg beginnt im Jetzt. Der Weg im Jetzt ist Ausgangspunkt für das Ziel des Zukünftigen. Es ist immer dieses Jetzt, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Alles was wir im Jetzt nicht erreichen wird uns das Ziel im Morgen niemals erreichen lassen.







Mittwoch, 8. November 2017

Say no to drama




Du musst nicht alle Antworten wissen oder für alles Lösungen haben, du musst nicht immer den Retter spielen, du musst nicht immer helfen bis zur Selbstaufgabe, du musst dich nicht für alles verantwortlich fühlen, was andere anrichten um sich selbst zu schaden.
 
Du musst dich nicht in das Drama anderer ziehen lassen, 
das nur Chaos und Leid in dein Leben bringt.
 
Hab keine Angst davor Grenzen zu setzen. 
Grenzen setzen ist ein notwendiger Schritt in Richtung Selbstfürsorge 
und Verantwortungsübernahme für dein Seelenheil.

Dienstag, 7. November 2017

Selbstbestrafung und Selbstmissbrauch


Foto AW

Was bringt Menschen dazu sich selbst zu bestrafen? Was führt dazu, dass manche Menschen immer wieder in Beziehungen landen, die schädlich sind und verletzend? Was zieht diese Menschen immer wieder auf scheinbar magische Weise in destruktive Beziehungskonstrukte? Was ist das, was sie dazu bringt, sich selbst nicht gut zu behandeln?


Selbstbestrafung und Selbstmissbrauch sind Ausdruck der Sehnsucht nach Wiederherstellung einer Liebe, die man urprünglich mit Lieblosigkeit, Zurückweisung, emotionaler Mangelversorgung, Demütigung, Ignoranz, Verlassen, Hass oder Gewalt durch geliebte Bezugspersonen erfahren hat. Die lieblose Person wird durch Introjektion zu einem Schattenanteil der Psyche (Eltern-Introjekt). Sie wird zu einer inneren Repräsentanz, welche die ursprünglich reale lieblose Situation zwanghaft aufrecht erhält.


Das innere Kind versucht wieder und wieder die ursprüngliche Situation zu reproduzieren, in der unbewussten Hoffnung die nicht erhaltene Liebe der Eltern doch noch zu bekommen.

Das Eltern-Introjekt aber suggeriert ihm, dass es die Lieblosigkeit selbst verschuldet hat. Dieses, von Kindheit an verinnerlichte Schuldgefühl, führt zu einem sich ständig wiederholenden Mechanismus der Selbstbestrafung aus diesem unbewussten Schuldgefühl heraus. Ein weiterer Aspekt der Selbstbestrafung ist das unbewusste „Abstrafen wollen“ der lieblosen Eltern. Indem das ungeliebte Kind im erwachsenen Menschen sich immer wieder selbst verletzt, richtet es die Aggression nicht nur gegen sich selbst, sondern gegen die Eltern, um sie quasi im Nachhinein zu bestrafen: Sieh her, was du mir angetan hast! Mir geht es schlecht! Das ist deine Schuld!


Sich diesem Selbstbestrafungsagieren aus Schuldgefühlen heraus bewusst zu werden und sie aufzuarbeiten, ist ein wesentlicher und wichtiger Schritt aus der Falle, in die diese Menschen immer wieder tappen. Solange die Schuldgefühle unbewusst bleiben und eine Bearbeitung nicht statt findet, geht das Muster der destruktiven Wiederholung weiter.





Was ist ein Introjekt?


Montag, 6. November 2017

Da ist ein Fremder wo ein Vertrauter war – Leben mit einem Depressiven

 
Foto AW

Die Depression macht alles Leben sinnlos. Wen sie in ihren Fängen hat, der ist in einem scheinbar ewigen Dunkel gefangen. Die Depression liegt auf ihm wie eine schwere Decke. Der Depressive ist für niemanden mehr erreichbar – weder für sich selbst, noch für die Menschen, die ihn lieben. Die Depression nimmt dem Depressiven die Liebe zu denen, die ihn lieben. Er fühlt nichts mehr außer Leere. Da ist kein Raum, für Niemanden. Er spaltet alles ab, kann nicht mehr an seine Gefühle herankommen. Er ist gefühlstaub. 

Er stößt dich weg, wenn du für ihn da sein willst, wenn ihm deine Hilfe anbietest, deine Liebe, deine Zärtlichkeit. Er kann nichts davon mehr nehmen.Was du spürst ist eine Eiseskälte und du glaubst daran zu erfrieren. Nichts was du tun kannst um das Herz des Depressiven erwärmen. Und das deine fürchtet sich, ihn zu verlieren. 


Irgendwo hinter dieser Eiswand, denkst du, ist er doch, der Mensch, der dich liebte, es dir zeigte, es dir sagte, es dir fühlbar machte. Aber du findest ihn nicht mehr. Er, der dir so vertraut war, du erkennst ihn nicht mehr wieder.  Er ist verloren für alles, was du von ihm erhofftst, für alles, was du mit ihm geteilt hast, für alles, was du zu geben hast. Er kann nichts mehr nehmen. Da ist ein Fremder wo ein Vertrauter war. Ein Lebloser wo ein Lebendiger war.


Das schmerzt und du willst nicht einsehen, dass du diesen Schmerz nicht lindern kannst mit deiner Liebe, nicht für ihn und nicht für dich. Deine Hilfe wird als Angriff abgewiesen, deine Apelle als Vorwurf abgewehrt, dein Kümmern ist Belastung, dein Bitten ist Druck. Der Depressive lebt in seiner Welt. Es ist eine Welt hinter Stäben, zu der du keinen Zutritt mehr hast.

Das schwarze Jetzt der Depression kennt kein Gestern und kein Morgen. Es kennt keine Erinnerung und keine Zukunft. Es ist Stillstand im Jetzt - Lähmung, die jede Bewegung unmöglich macht.

Es gibt keine gemeinsamen Tage mehr, keine gemeinsamen Pläne, keine gemeinsamen Träume. Die Depression verschlingt alles, saugt es ab, zieht es  in ihr schwarzes Loch. Dort auf dem Grund haust weidwunde Einsamkeit, tiefe Verlassenheit, stumme Taubheit.
Und du ... bist einsam wie der Depressive. Du bist allein mit deinem Leid wie der Depressive. Dieses Leid ist unteilbar. Jeder ist allein.

Die Depression kostet Kraft,  für den, der an ihr leidet und für den, der unter ihr leidet.
Die Depression ist eine Krankheit, die du nicht heilen kannst. Sie ist eine Krankheit bei der deine Liebe versagt. Sie ist eine Krankheit, die nur dann Heilung findet, wenn der Depressive es will. Ob er das will, ob er es kann, kannst du nicht beeinflussen. Nicht mit deinen Tränen, nicht mit deinen Bitten, nicht mit deiner Wut, nicht mit deiner Liebe, nicht mit deinem Kämpfen.

Du kämpfst gegen eine Macht, die größer ist als du. Vergeblich.

Du kannst beeinflussen wie du damit umgehst. Wenn du alles getan hast um dem Depressiven eine Tür zu öffnen und er sie nicht durchschreitet, wenn du alles getan hast um ihn zu halten und er dich wegstößt, hast du alles getan. Du kannst bleiben, da sein -  ohne zu erwarten. Und gut für dich selbst sorgen. Dir selbst Hilfe suchen.

Mehr ist nicht möglich.












Freitag, 3. November 2017

Den Zirkel der Anhaftung durchbrechen


 
Foto AW


Ich komm an dir nicht weiter.
Ich komm nicht an dich heran.
Ich kann tun, was ich will, du lässt mich nicht zu dir.
Ich verbiege mich.
Ich tue Dinge, die ich nur für dich tue.
Ich vergesse mich dabei und die Dinge, die ich für mich tun sollte.
Ich versuche es immer wieder.
Ich komm an dir nicht weiter.
Ich verliere mich dabei.

So in etwa ist es, wenn wir vergeblich versuchen einen Menschen zu erreichen, der uns viel bedeutet. Aber alle Versuche sind sinnlos, wenn der andere uns nicht zu sich lässt. Weil wir das aber so sehr wollen, wollen wir sie nicht begreifen diese Vergeblichkeit, weil sie uns ohnmächtig macht und dieses Gefühl schmerzt. Ein Schmerz, den wir nicht fühlen wollen, und wir versuchen es weiter. Minderwertigkeitsgefühle, Selbstzweifel und Versagensgefühle führen dazu, dass wir es immer wieder versuchen, weil wir nicht zulassen können, dass es nicht geht.
Vergeblich.
Ja, ich weiß, es ist schwer diese untauglichen Versuche aufzugeben.
Auch wenn wir wissen, dass es genau das ist, was wir tun müssten, damit das endlose Ringen um den Anderen und seine Liebe oder sein Seelenheil, aufhört.

Aufhören ist schwer. Etwas aufgeben wohin unsere Kraft, unsere Liebe und unsere Energie geflossen ist, vielleicht über lange Zeit, ist schwer.

Das reißt eine Lücke, das nicht mehr Versuchen. Das macht den Raum leer. Schafft Raum in dem erst einmal nichts mehr ist, außer wir selbst und der Schmerz über die Vergeblichkeit unseres Tuns. Und dann diese quälenden Fragen: Woran bin ich gescheitert? An ihm? An mir selbst? Habe ich nicht das Richtige getan? Habe ich nicht genug getan? Nicht genug geliebt? Warum war alles so wirkungslos?
Und wir sind müde und entkräftet und suchen weiter nach Antworten und die Schuld vielleicht bei uns. Versagt könnten wir haben.
Aber wir haben nicht versagt, und wenn es so wäre, was für eine Rolle spielt das?
Wir haben unser Bestes getan.
Wir haben Untaugliches versucht am untauglichen Objekt.
Wir sind nicht weiter gekommen an ihm, an ihr, mit ihm, mit ihr, mit dem, was unsere Vorstellungen waren von einem Miteinander, das gut ist für ihn, für sie, für uns.
Es ist nicht gelungen.
Es ist nicht gelungen, weil es nicht sein sollte.
Denn hätte es sein sollen, wäre es leicht gewesen und nicht schwer. Es wäre kein Ringen gewesen und kein Kampf und kein ewiges Versuchen ohne Gelingen.

Sind wir nicht in der Lage das zu akzeptieren entsteht ein Zirkel, aus dem es nur schwer einen gesunden Ausgang gibt. Es bleibt bei der Anhaftung an den, den wir nicht erreichen konnten, auch dann, wenn er schon längst aus unserem Leben gegangen ist. Darum ist es wichtig diesen Zirkel zu durchbrechen. Der erste Schritt dazu besteht darin zu erkennen und anzunehmen, dass außerhalb dieser Welt der Anhaftung eine andere Welt existiert: Die unsere und all das was in ihr ist, ohne den, dem wir vergeblich anhaften.

Ich bin liebenswert - nicht für das, was ich tue, sondern, für das, was ich bin.
Dieser Satz ist ein Kompass auf dem Weg zurück in unsere Autonomie - wenn wir ihn uns selbst glauben.





Donnerstag, 2. November 2017

Der Schmerz alter Verletzungen


Malerei Dirk Arlt

Ich spüre ihn jeden Tag bei meiner Arbeit mit Menschen, den Schmerz der alten Verletzungen. Ich erlebe in meinen Beziehungen, wie er das Miteinander beeinflusst und beengt, wie er den Raum für Angst und Distanz weitet, wo Raum für Nähe und Liebe sein könnte. Ich erlebe wie er uns beherrscht und ich sehe wie wir ihn weg denken wollen. Aber alter Schmerz lässt sich nicht wegdenken.

Die Verletzung mag alt sein und wir wissen, es ist unmöglich sie ungeschehen zu machen. Dazu ist es zu spät. Aber es ist nicht zu spät, dem Schmerz im Jetzt Raum zu geben. Er ist real, er ist jetzt.

Damals als wir Kind waren gab es diesen Raum nicht. Wir mussten den Schmerz abspalten um emotional zu überleben. Wir mussten die Wut, die Ohnmacht, die Trauer, die Hilflosigkeit, den Ekel, die Scham, abspalten. Alle diese Gefühle haben wir konserviert, sie leben in uns wie Blüten, die sich um unser Wollen ranken. Dem Wollen, dass es doch endlich gut sei. Aber das Konservierte beherrscht uns, egal wie sehr wir es weg haben wollen. Es beherrscht unser Denken, unsere Gefühle und unser Handeln. Es beherrscht unsere Beziehung zu uns selbst und anderen. Es trennt uns von uns selbst und von unserer Sehnsucht ganz zu sein.

Der alte Schmerz ist keine Einbildung. Er ist real. Er ist jetzt.
Solange wir den Schmerz der alten Verletzung nicht zulassen, wird er zu einer unerledigten Sache, die uns Tag für Tag bedrückt wie eine schwere Last, die uns Rückgrat und Seele krümmt. Alter Schmerz muss abfließen, damit wir für das Heute bereit und aufnahmefähig sind - ein Heute, das nicht durch unterdrückte Gefühle beeinflusst und verdunkelt wird.



Mittwoch, 1. November 2017

Scham macht krank

 
Zeichnung AW


Scham ist ein Dämon, dessen Existenz wir gerne verleugnen. Scham hat eine zerstörerische Macht. Scham kann uns wie eine Sucht beherrschen. Wer sich schämt tut alles um dieses zerstörerische Gefühl zu unterdrücken, doch solange es unterdrückt wird, ist da Leugnen und Abwehr. Scham ist eine der zerstörerischen Kräfte in unserem Leben. Erst wenn wir die Scham benennen können, verliert sie ihre Macht über uns.
 
Gesunde Scham ist kein schlechtes Gefühl, sie macht uns menschlich, sie zeigt uns unsere Grenzen, sie sagt uns wo wir Acht geben müssen, um nicht über das Ziel hinauszuschießen. Sie bewahrt uns davor zu verletzen und zu zerstören. Krankhafte Scham aber ist zerstörerisch. Sie zerstört unser Selbstbild und zeigt sich in Süchten, Pathologien, Zwängen, Narzissmus und Neurosen. Sie führt zur Hoffnungslosigkeit und schwächt unsere Lebenskraft.
In der Scham verleugnen wir uns selbst, wir fühlen uns als hätten wir unser Gesicht verloren. In der Scham fragmentiert sich unser Innerstes. Wir sind bedrückt von der Angst man könne uns entdecken und bloßstellen. Wir verstecken uns vor uns selbst und vor der Entdeckung anderer. Wer sich krankhaft schämt führt ein Leben in seelischer Isolation. Scham macht scheu - wir scheuen das Licht. Wir möchten am Liebsten in den Boden versinken, wir muten uns keinem zu, wir fürchten Nähe, weil wir fürchten entlarvt zu werden.
Wer unter starken Schamgefühlen leidet steht mit sich selbst im Konflikt und dadurch steht er mit der Welt in Konflikt. Scham ist wie ein eiserner Vorhang, der vom Leben trennt. Scham konfrontiert uns mit unseren vermeintlichen Mängeln, mit Gefühlen von Schuld, Schlechtsein, Fehlerhaftigkeit, Schmutzigsein und Wertlosigkeit. Scham suggeriert: Du bist nicht liebenswert. Du bist schlecht und somit bist du auch schlecht für andere. Scham ist Gegenstand der Selbstverachtung. Sie ist eine Qual, ein Leiden der Seele. Scham führt zum schämen wegen der Scham. Scham führt dazu uns selbst nicht zu vertrauen.

Scham wird internalisiert, wenn sich Eltern oder Erzieher schamlos verhalten, auf welche Weise auch immer, und Kinder zu Zeugen dieses schamlosen Verhaltens werden. Sie übernehmen die Scham stellvertretend für die, die sie nicht empfinden. Scham wird internalisiert wenn ein Kind gedemütigt, missbraucht oder verlassen wird.

Ein Kind das verlassen, gedemütigt oder missbraucht wird, verliert sein wahres Selbst. Es spaltet es ab. Damit hört es auf seelisch zu existieren. Es entfremdet sich von sich selbst. Sich von sich selbst entfremden bedeutet, dass wir Teile unseres Selbst als fremd und nicht zu uns gehörig empfinden.  Wir werden für uns selbst zum Objekt der Verachtung. Wer sich selbst verachtet ist sich selbst nicht gut. Krankhafte Scham führt zu innerer Lähmung, zu innerem Rückzug und affektiver Passivität. Der krankhaft sich schämende Mensch hat das Gefühl nicht dazuzugehören. Er ist immer auf der Hut. Er isoliert sich und leidet unter oft einer chronischen Depression.

Scham führt nicht selten zur Sucht. Sucht hat immer etwas mit einem gespaltenen Selbst zu tun und der Überzeugung ein Mensch zu sein, der mit Makeln behaftet ist. In der Sucht liegt der unbewusste Versuch das Gefühl des Schmerzes zu betäuben. Die Sucht und ihre Folgen führen wiederum zu neuer Scham. So erzeugt Scham immer wieder Scham.

Um krankhafte Scham zu überwinden bedarf es immer einer Veränderung des Selbstbildes.


Montag, 30. Oktober 2017

Die Scheinheiligen




Zeichnung AW
die scheinheiligen
sie sagen sie bewerten nicht
sie sagen ... jedem das seine und den anderen sein lassen
sie sagen liebe ist die antwort
und vergebung die lösung für alles
sie meinen sich frei von projektionen
sie meinen sich mit ihren schatten versöhnt zu haben
sie sagen wer nicht in der liebe ist, ist auf dem holzweg
sie sagen alle probleme kommen von der nicht liebe
sie sagen liebe alles und alle, denn alles ist eins
sie sagen es auf wie ein mantra
sie meinen erleuchtet zu sein
sie sagen liebe ist die antwort und die lösung ... immer
sie sagen dir ein
und in jedem ihrer worte ist ein sagen
aber kein tun.

Freitag, 27. Oktober 2017

Mal wieder Kunst

Herzliche Einladung an alle Neugierigen, Kunstliebhaber, Begeisterungsfähigen, Freunde der Kunst, Suchenden, Flaneure, Passante zum 9. Kunstrundgang „Offene Ateliers“ Wiesbaden-Mitte und Rheingau-Hollerborn.

Die Galerie H22 ist dabei.
Ich bin dabei. 

Wir freuen uns auf Euch.
Am Sonntag, den 29. Oktober 2017 von 12:00 bis 18:00 Uhr.


Mittwoch, 25. Oktober 2017

Gut genug!




Warum sollte ich perfekt sein?
Abgesehen davon, dass das kein Mensch ist und kein Mensch erreichen kann?
Meine Macken, meine Neurosen, meine Dramatik, meine Ambivalenz, meine Zweifel, meine Suche, mein Licht, mein Schatten, mein Erfolg, mein Haben, mein Nichthaben – es gibt in jedem Bereich meines Lebens etwas an mir, dass ich verbessern könnte, dass ich verbessern sollte, weil mir das jemand sagt, der mit meinem nicht perfekt SEIN Probleme hat.
Für wen sollte ich perfekt sein?
Ich bin gut genug für mich!

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Die Vergangenheit lässt mich nicht los



Foto: AW

"Die Vergangenheit lässt mich nicht los!"
Wie oft ich das höre.
Ist das wahr? Oder ist es nicht so, dass wir selbst die Vergangenheit nicht loslassen, sie nicht sein lassen?
Viele Menschen lassen ihre alte Geschichte nicht los. Sie dient als Rechtfertigung dafür wie es jetzt ist. Sie halten so verbissen daran fest, als würde sie zurückkehren wenn sie schön war oder besser werden, wenn sie unschön war. Dabei sind wir freie Menschen. Wir können entscheiden uns Neuem zuzuwenden, neue Dinge auszuprobieren, neue Erfahrungen zu machen mit neuen Begegnungen und anderen Erlebnissen. Wir können das, auch wenn wir Ungutes erlebt haben. 

Das Leben ist Veränderung. Wichtig ist der Veränderung gegenüber offen zu sein.
Unsere Geschichte verändert sich nicht, indem wir sie uns selbst immer und anderen immer wieder erzählen. Aber unser Gehirn ist formbar bis ins hohe Alter. Auch wenn die wesentlichen Prägungen in der Kindheit entstehen und sich verfestigen, hat unser Gehirn die Fähigkeit Neues zu lernen. Wir müssen nicht der Sklave unserer Vergangenheit bleiben, die dann unsere Gegenwart dominiert.
Die Gegenwart verändert sich, indem wir neue Gedanken und Erlebnisse zulassen. Das Leben spielt sich im Jetzt ab.

Wenn du wieder einmal in der Vergangenheit hängen bleibst, könntest du die Gegenwart dagegensetzen.
Das kannst du für dich selbst tun!

Sonntag, 15. Oktober 2017

Das Leid ist so groß wie die Schultern, die es tragen müssen





In der Psychologie gibt es die sogenannte Salutogenese. Entwickelt wurde sie von dem jüdischen Psychologen Antonovsky während der Behandlung der Opfer des Holocaust. Er stellte fest, dass obwohl alle die gleichen schrecklichen Erfahrungen machen mussten, manche stärker und andere seelisch zerstört waren. Gleiches entdeckte der Arzt und Psychiater Viktor Frankl, der das KZ überlebte und aufgrund seiner Erfahrungen die Logotherapie entwickelte. Heute sprechen wir von Resilienz, wenn Menschen auch angesichts des Schrecklichen, das ihnen widerfährt, nicht zerbrechen.

Das alles sind Konstruktionen die dabei helfen sollen zu verstehen warum manche von uns stärker werden und andere schwächer, ob der Leiderfahrungen, die uns alle im Leben treffen. „Das Leid ist so groß, wie die Schultern die es tragen müssen“. Ein Satz der zu oben Erwähntem passt und es für mich ganz gut runterbricht auf wenige Worte.

Was dem einen den Lebensmut und die Kraft raubt, ist für den anderen Antrieb weiterzumachen, trotzdem. 

Für mich ist es genau dieses „Trotzdem“ was Menschen nicht aufgeben lässt. Dem was ist ins Auge blicken und ihm trotzen, indem man weitergeht, obwohl es ein verdammt schweres Gehen ist. Dieses Trotzdem ist kein Trotz, der sich in Widerstand zeigt, es ist etwas völlig anderes. Wer ein Trotzdem hat, hat eine entscheidende innere Ressource, die ihn nährt, auch wenn er im tiefsten Tal wandelt und die dunkle Nacht der Seele kein Ende zu haben scheint. Diese Ressource ist die innere Sicherheit die Fähigkeit zu besitzen Krisen und Leiderfahrungen bewältigen zu können. Was dieser Mensch weiß  und annimmt ist, dass Leben eben auch Leid bedeutet und alles was ihm widerfährt Anreiz zum seelischen Wachstum sein kann, wenn er es denn dazu nutzt.

Ein solcher Mensch ist das Gegenteil eines verwöhnten Menschen. Er ist nicht wie der verwöhnte Mensch der Auffassung, das Leben muss immer schön lieb und gut zu ihm sein, weil er unbewusst der infantilen Haltung anhaftet, er habe es verdient. Wir haben nichts verdient, weder das ewige Glück, noch das ewige Leid und Schmerz und Verluste schon gar nicht. Es geht nicht ums Verdienen. Es geht darum zu begreifen, dass das Leben voll ist von Möglichkeiten, und alle, aber auch alle, können uns ereilen. Es gibt Zufälle, es gibt ein Schicksal und es gibt Fehler und Fehlentscheidungen, die wir auf unserem Lebensweg machen, und dieses ganze Konglomerat und noch viel mehr, beeinflusst unser Leben. Mit verdienen hat das absolut nichts zu tun. Das Leben, auch wenn Verfechter des positiven Denkens oder Bücher wie „The Secret,“ uns glauben machen wollen, es sei allein das Konstrukt unserer Gedanken, ist nicht,s was wir absolut in der Hand haben. Sie irren auch wenn sie uns glauben machen wollen, wer gut ist, dem widerfährt nur Gutes oder wer liebt, dem widerfährt nur Liebe. So ist es nicht, sagt die Erfahrung von Millionen Menschen auf diesem Globus.

Wer glaubt, er sei der alleinige Schöpfer seines Lebens blendet aus, was er nicht sehen will, weil es seine Allmachtsfantasie aufs Empfindlichste stört: Leben geschieht und wir haben die Wahl wie wir auf das, was geschieht antworten. Und jede Antwort ist für den, der sie gibt, erst einmal richtig, richtig im Sinne seines Selbstverständnisses, seiner Erfahrungen, seiner Konditionierungen, seiner Überzeugungen und Glaubensmuster, seiner Resilienz und seiner Fähigkeit „trotzdem ja zum Leben zum sagen“, wie es Frankl in seinem gleichnamigen Buch nennt. Dieses Ja zu dem was ist, ist entscheidend um aus dem, was ist, das für uns zu gestalten, was uns hilft weiter zu gehen auf unserem Lebensweg.

Was aber wenn das Leid zu groß ist für die Schultern, die es tragen müssen?
Wenn Menschen ihr Leben von Kindheit an als brüchig und unsicher erfahren, fühlen sie sich mitunter ein Leben lang als würden sie auf unsicherem Boden gehen. Sie haben kein Vertrauen in sich und kein Vertrauen in Welt. Sie haben es schwer ihr Leben zu gestalten und fühlen sich als Opfer der Umstände. Sie kennen Gefühle von Unsicherheit und Hilflosigkeit, aber haben wenig Zugang zu Gefühlen wie Freude, Zuversicht und Leichtigkeit. Meine Erfahrung ist: Hilft man diesen Menschen ihre Biografie im Rückblick zu verstehen, finden sie oft doch noch einen Weg ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu gestalten, trotzdem es nicht so ist, wie sie es gern hätten. Vorausgesetzt da ist ein Wille es zu tun. Und kann ich es alleine nicht, dann kann ich mir Hilfe holen.

Namaste Ihr Lieben

Samstag, 14. Oktober 2017

Vom weiblichen Selbstwert




Der Selbstwert eines Menschen steigt in der Regel im Laufe des Lebens an. Bei Frauen ist dieses Gefühl für den eigenen Wert allerdings meist niedriger als bei Männern, das ergaben psychologische Studien. Viele Frauen reflektieren die Fragen - "Wer bin ich?" und "Was kann ich?"zu wenig. Sich selbst nicht bewusst wahrzunehmen, nicht zu wissen, wo die eigenen Stärken und Schwächen, die versteckten Potentiale und Fähigkeiten liegen, führt zu einem unausgereiften Selbstkonzept und in der Folge zu einem wenig positiv besetzten Selbstbild.

"In der Regel verbirgt sich hinter der prächtigen äußeren Fassade ein emotional verwahrlostes, verzweifeltes Kind, das nach Anerkennung seiner wahren Identität hungert. Die Entdeckung des "wahren" Selbst ist der Ausgangspunkt der Genesung und erfordert eine geduldige, behutsame Pflege des "inneren Kindes", schreibt die Psychologin Bärbel Wradetzky. Sie spricht aus Erfahrung. In Gesprächen mit Frauen beobachte auch ich des Öfteren, dass kein oder nur sehr wenig stabiles Selbstwertgefühl vorhanden ist. Viele Frauen zeigen zwar nach Außen eine starke und selbstbewusste Fassade, dahinter versteckt sich jedoch ein unsicheres, verletztes und sich minderwertig fühlendes Mädchen.

Durch Perfektionismus, besondere Leistungen, einen hohen Anspruch an sich selbst und körperliche Attraktivität versuchen diese Frauen einem Idealbild zu entsprechen, welches das Außen ihrer Meinung nach von ihnen erwartet. Über die Zeit hinweg bedeutet das eine unglaubliche körperliche, geistige und seelische Anstrengung. Diese vermeintlich starken Frauen sind durch Kritik und Zurückweisung sehr schnell zu verunsichern. Die Selbsteinschätzung kippt beim kleinsten Angriff unmittelbar von "ich bin stark, gut und toll“ in ein Gefühl von Minderwertigkeit und endet in dem vernichtenden Glauben nicht wertvoll und nicht liebenswert zu sein. Ein Schwanken zwischen Höhen und Tiefen bestimmt so das Leben. Die innere Balance ist ebenso fragil wie das äußere Bild, das mit zunehmendem Alter, unverwirklichten Träumen und Zielen zu bröckeln beginnt. Diesen Frauen gelingt es nur schwer oder kaum, sich über einen längeren Zeitraum gut und lebendig zu fühlen. Die Folgen dieser inneren Disbalance sind u.a. Depressionen, Burn Out oder Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie. Die Ursache aber ist immer ein fragiles, falsches oder ein in der Kindheit zerstörtes Selbstbild.

Es ist nicht neu, dass Frauen ihr Licht häufig unter den Scheffel stellen, während sich Männer eher überschätzen. Beide Einstellungen entfernen den Menschen von seiner inneren Realität.
Trotz Emanzipation und finanzieller Unabhängigkeit gibt es noch heute intelligente, autonome Frauen, die sich dem Dominanzanspruch des Mannes unterwerfen, sobald sie eine Partnerschaft eingehen. Die Mutter, die meist zeitlebens abhängig war und vergeblich nach Anerkennung gedürstet hat, vermittelt und lebt vor - eine gute Frau soll dem Manne dienen. Dies und das Erfüllenmüssen notwendig geglaubter erotischer Stimulans für den Mann, fungieren unbewusst als eine Art Gegenleistung für Versorgung und männlichen Schutz.

Durch diese verinnerlichten Glaubensätze des vom Patriarchat gewollten kollektiven Bildes von Weiblichkeit befinden sich das weibliche Selbstbewusstsein und die innere Autonomie der Frau in einer bedenklichen Schieflage. „Die Frau sei dem Mann untertan ...“ (Eph 5,22 ff). lautet einer von vielen Frauen verachtenden Texten in der Bibel.

Gerade in der Begegnung mit dem Mann wird die vermeintlich starke Frau schwach.

Hier leben archetypische Muster auf und führen ihr Eigenleben. Frauen spüren intuitiv, dass sich der Mann nur dann stark fühlen kann, wenn sie sich schwach zeigen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Die Erfahrung zeigt zudem - sobald Frauen selbstbewusst auftreten, gefährden sie das Selbstbewusstsein des Mannes. Sie greifen seine Überlegenheitsfantasien an, gelten als unweiblich, zickig oder streitlustig, haben "Haare auf den Zähnen".

Neben allen kollektiven Aspekten und Einflüssen auf das Frausein tragen mangelnde Anerkennung durch den Vater oder die Mutter zu einem weiblichen Selbstkonzept der Wertlosigkeit bei. Ganz zu schweigen von kindlichen Missbraucherfahrungen, egal ob sexueller oder emotionaler Art. Missbrauch zerstört lebenslang das Gefühl des eigenen Wertes, er ist die Vernichtung des ganzen Seins. Eine solche Erfahrung führt zu Schuldgefühlen, dem Gefühl von Schlechtigkeit, Scham und Selbstverachtung. Missbrauch macht Frauen zum lebenslangen Opfer wenn er nicht verarbeitet wird. Diese Opferhaltung drückt sich später vor allem in intimen Beziehungen aus und ist der Nährboden für Probleme in der Partnerschaft. Einerseits ist da die Angst, nicht als Mensch in der eigenen Ganzheit geliebt zu werden, andererseits die Angst, wieder von einem geliebten Menschen benutzt, verletzt oder verlassen zu werden, was paradoxerweise zum Klammern an den Partner führen kann. Eine Nähe, die sucht, was ihr eigentlich Angst macht.

Besonders Frauen, die sich mit ihrer Geschichte nicht auseinandergesetzt haben und immer funktioniert haben, um den äußeren Schein zu wahren und zu bedienen, suchen in einer Art Wiederholungszwang immer wieder Männer, die das Defizit eines gesunden Selbstwertgefühls noch verstärken.

Für einen gesunden Selbstwert aber ist es entscheidend, sich ein liebevolles, anerkennendes und unterstützendes Umfeld bewusst und vor allem selbst wählen zu können, das einen bestärkt, man selbst zu sein und es sein zu dürfen. Also auch schwach sein zu dürfen, vor sich selbst und anderen.
Wer um seinen Wert weiß, ist nicht auf die Bestätigung durch andere angewiesen. Er brennt im Job nicht aus, er ist autonom, er ist auf Augenhöhe mit dem Partner, und lebt unabhängig von guten Ratschlägen seiner eigene Wahrheit und seiner Werte entsprechend.

Der Weg zu einem gesunden Selbstwert ist die Selbstreflexion. Ziel des Weges ist es, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich damit aus der Opferrolle zu bewegen. Dazu gehört, die Ursachen für mangelndes Selbstwertgefühl zu analysieren. Und es gehört dazu, sich selbst zu beobachten und dann Schritt für Schritt alte Verhaltensmuster und innere Überzeugungen zu verändern. Der Weg zum eigenen Selbstbewusstsein hat immer auch einen philosophisch-spirituellen Aspekt. Es geht darum, sich des eigenen Wertes bewusst zu werden, sich selbst kennen zu lernen und sich anzunehmen, mit der eigenen Biografie, die uns zu der Frau macht, die wir sind. Es geht um Persönlichkeitsaufbau und um Authentizität, was nichts anderes bedeutet als dass Denken, Fühlen und Handeln übereinstimmen. Es geht darum, die Maske abzulegen, der eigenen Angst und Schwäche zu begegnen, sie anzuschauen und trotzdem zu handeln. Es geht darum ja zu sich selbst zu sagen, ja zum eigenen Wert. Es geht um das Spüren der eigenen Kraft und Würde.

Freitag, 13. Oktober 2017

Friedlich SEIN



Foto: AW

ich möchte sein wie ein baum
wurzeln schlagen
fest in der erde
und den himmel berühren
und sicher in meines stammes mitte
und gelassen
auch wenn ein sturm mich ins wanken bringt
friedlich SEIN
wie ein baum

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Selbstmitgefühl ist die Wertschätzung unseres eigenen Seins



Foto: A. Wende

Selbstmitgefühl hilft uns dabei wohlwollend, sanft und freundlich mit uns selbst umzugehen. Das geschieht nicht einfach so von heute auf morgen. Es ist eine Sache des Wollens und der Übung. Dabei geht darum innerlich mehr und mehr eine Haltung des Wohlwollens uns selbst gegenüber zu kultivieren. Es geht darum uns gut zu behandeln, besonders auch dann, wenn wir uns nicht gut fühlen.

Selbstmitgefühl ist die Wertschätzung unseres eigenen Seins.
Ich erlebe immer wieder bei Klienten, dass sie sich diese Wertschätzung selbst nicht geben können. Sie beschimpfen sich, sie reden hart und kritisch oder sogar verurteilend mit sich selbst und sind sich dessen oft nicht einmal bewusst. 

Innere Überzeugungen wie: "Ich bin nicht ok", "ich bin nicht wertvoll", nicht liebenswert genug" und tief vergrabene Gefühle wie Schuld und Scham, führen dazu, dass wir mit uns selbst nicht wohlwollend sprechen und demzufolge auch nicht wohlwollend mit uns umgehen. Und weil das schon so lange so ist, fällt es sehr schwer, dass auf einmal zu ändern.

Diese Überzeugungen und Einbildungen sind meist alt, oft so alt wie wir selbst. Sie haben es sich in unserem Hirn gemütlich gemacht. Von dort aus beherrschen sie unser Denken, unsere Gefühle und unser Handeln und machen es uns mit uns selbst ungemütlich. Sie sind zur Gewohnheit geworden. Und das kommt dann auch oft als Antwort: "Ich kenne das nicht anders. Ich bin eben so, ich mag mich nicht sonderlich. Mich selbst lieben, wie soll ich das denn machen?"

Ich spüre Widerstand. Aber genau dort wo der Widerstand ist ist der Anfang des Weges. Es ist von großer Wichtigkeit diesen inneren Widerstand zu erkennen und ihn zu benennen. Ohne ihn zu kennen wissen wir nicht wie wir das durch ihn entstandene Hindernis überwinden können.

Was, könntest du dich heute fragen, ist das Hindernis, das mich davon abhält sanft, freundlich und wohlwollend mit mir selbst umzugehen?

Namaste Ihr Lieben

Montag, 9. Oktober 2017

Liebe rettet nicht. Eine schreckliche Erkenntnis.



Kunst: Malte Lück

Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, mit Ungeliebten vereint sein, von Geliebten getrennt sein, nicht erreichen, was man begehrt – all das ist Leiden. Der Mensch leidet, weil er Dinge zu besitzen und zu behalten begehrt, die ihrer Natur nach vergänglich sind.

Diese Worte sind von Buddha

Nun sind es Worte und Worte helfen denen, die leiden, nur wenig. Ich weiß das aus Erfahrung, auch ich habe gelitten, noch heute gibt es Dinge an denen ich leide und es kommen immer wieder Situationen in meinem Leben, unter denen ich leide und leiden werde. Und es sind genau diese Dinge von denen Buddha spricht, die mich leiden machen. Ich weiß längst, Leid und Schmerz gehören zum Leben. Man kann dies nicht verhindern, Leid ereilt uns weil wir leben. Leben ist auch Leiden. Und damit könnte ich hier einen Punkt setzen.

Ist mir damit geholfen? Ist irgend jemand damit geholfen? Ja, mir ist damit geholfen. Weil ich weiß, dass mein Anspruch an das Leben, dem was Leben ist, nicht gerecht wird. Ich lebe, also muss ich das Ganze (an) nehmen. Ich kann mir nicht nur die schönen Seiten aussuchen, ich muss nehmen was kommt und ich muss lernen damit zu leben und damit umzugehen, ich habe keine andere Wahl.

Leid lässt sich nicht wegmachen, nicht ignorieren und nicht in Freude verwandeln. Es lässt sich nur annnehmen. Traurig aber die Wahrheit. Das Leben beinhaltet eben auch traurige Wahrheiten.

Es gibt Menschen, die sich diesen traurigen Wahrheiten beharrlich zu entziehen versuchen. Sie finden Möglichkeiten und Wege um dem Leid aus dem Weg zu gehen. Sie ignorieren es, sie besaufen sich, sie nehmen Drogen, sie lenken sich ab, sie beschimpfen und verdammen es oder sie kapitulieren vor ihrem Leid. Sie geben sich auf. Sie verdammen das Leben, das es ihrer Ansicht nach nicht gut mit ihnen meint. Wie unzufriedene Kinder, die nicht bekommen was sie wollen, schimpfen, jammern und wüten sie gegen das an, was das Leben ihnen nicht geben will: Dauertüchtiges Glück. Diese Menschen haben das Leben nicht verstanden, sie wollen es auch gar nicht verstehen, sie wollen das, was sie meinen verdient zu haben und bekommen sie es nicht, ist das Leben gemein und grausam, im schlimmsten Falle nicht mehr lebenswert. Der Hass und die Enttäuschung über das gemeine Leben kann sogar soweit gehen, dass Menschen beschließen sich das Leben zu nehmen.

Ich kann sie verstehen. Ich kann verstehen, dass ein Mensch an einen Punkt kommt an dem er nicht mehr weitermachen will, weil der Schmerz, die Last, die Müdigkeit so groß ist, dass seine Seele es nicht mehr schafft. Ich kann verstehen, dass sich Menschen, wenn sie überhaupt keine Lösungsmöglichkeiten für Ihre Nöte und Sorgen sehen können, beschließen, sich aus ihrer Not zu befreien indem sie den Tod wählen. Ich kann verstehen, dass das Gefühl des Scheiterns und der Sinnlosigkeit, die Einsamkeit und die Resignation so groß und übermächtig werden, dass da nur noch Verzweiflung ist. Ich weiß, dass die Verzweiflung der schlimmste Affekt ist. Aus ihr finden wir alleine keinen Ausweg mehr. Manchmal ist die Verzweiflung so groß, dass nicht einmal mehr Hilfe angenommen werden kann. Die Seele hat aufgegeben. Das ist bitter. Das ist das Traurigste was einem Menschen widerfahren kann.

Jeder entscheidet für sich, jeder ist für sich selbst verantwortlich und damit ist er auch der Einzige, der entscheidet, ob er sein Leben beendet, wenn er es nicht mehr aushalten kann.
Aber was ist mit denen, die er zurücklässt?
Was ist mit denen, die ihn lieben und deren Liebe nicht mehr den geringsten Wert hat für den, der sein Leben nicht mehr leben will? Weil er die Liebe nicht mehr spüren kann. Weil er innen tot ist.
Sie müssen erkennen: Liebe rettet nicht. Eine schreckliche Erkenntnis. Auch das musste ich in meinem Leben erfahren. Liebe, die nicht genommen werden kann, richtet nichts aus. Hilfe, die nicht genommen werden kann ist vergeblich. Auch das ist eine Wahrheit, die schwer anzunehmen ist.
Und was fangen wir damit an?
Wir haben die Wahl. Wir könnten sagen: Ja, so ist es und es akzeptieren oder wir können uns wehren gegen das was ist. Was dann? Dann leiden wir.

Wir haben keine Macht über andere Menschen.
Wir haben also auch nicht die Macht einen Menschen, der sein Leben beenden will, davon abzuhalten. Und nein, es ist nicht unsere Schuld, dass wir es nicht vermögen. Es ist seine Entscheidung. Eine Entscheidung, die ihn in seinen Augen erlöst und uns Schmerz zufügt. Aber dieser Schmerz ist geboren aus Egoismus. Wir wollen nicht leiden unter seiner Entscheidung. Das zu erkennen tut weh, genauso weh wie es weh tut, dass ein Mensch, den wir lieben, sich aufgibt. Manchmal im Leben müssen wir erkennen, dass uns nichts bleibt als die Ohnmacht. Und das erfordert Demut. Eine der schwersten Übungen in diesem vergänglichen Leben.

Namaste 






Mittwoch, 4. Oktober 2017

Worauf es ankommt


Installation in der Bonifaziuskirche Wiesbaden von Malte Lück

jeder mensch hat licht und schatten. jeder. entscheidend ist, ob er sich dessen bewusst ist und was er mit den sich widerstrebenden inneren anteilen anfängt. welche er füttert und welche er in seinem leben und in seinen beziehungen auslebt. ich kenne menschen, die schwere fehler gemacht haben und aus diesen fehlern heraus zu einem menschen geworden sind, der für andere da ist, der anderen hilfe und liebe geben kann, aus tiefstem herzen. das macht die fehler nicht ungeschehen, aber sie haben einen sinn, der über das eigene hinauswirkt. und darauf kommt es meines erachtens an: nicht darauf, dass wir unserem egoismus frönen oder aufgrund unserer fehler voller scham und schuld verbittern, sondern darauf, was wir in die welt an sinnvollem hineingeben.

Samstag, 30. September 2017

Der innere Widerstand



Foto AW

In manche Ziele fließt weniger Energie als in den Widerstand ihrer Erfüllung.
Warum ist das so? Warum reden und träumen Menschen von ihren Zielen und tun nichts dafür oder nicht genug um sie zu erreichen? Die Gründe sind vielfältig, sie beginnen dort wo wir nicht fähig sind an uns selbst zu glauben, über die Angst die vertraute Komfortzone zu verlassen bis hin zu einer Resignation, derer wir uns gar nicht bewusst sind, oder schlicht und einfach weil wir zu bequem und zu wenig diszipliniert sind um das, was wir erreichen wollen auch in Handlung umzusetzen.
All das und mehr führt zu einem inneren Widerstand, einem Hindernis, das dazu führt, dass statt dem kontinuierlichen Tun und der Arbeit, die zum Erreichen des Zieles notwendig sind, ein Gefühl der Sehnsucht bleibt. Sehnsucht, dieses köstliche Gefühl aus einer Mischung von Erfüllung und Mangel kann durchaus erfüllen, wenn unsere Träume und Ziele unerfüllt bleiben.

Wer wenig oder keine Energie in sein Ziel gibt, wer sehnt anstatt zu handeln, schützt sich vor Enttäuschungen. Wer nicht wagt, kann also nicht nur nicht gewinnen, er kann auch nocht verlieren. Was ihm bleibt ist das tröstliche: "Ich könnte ja, wenn ich wollte", und das fühlt sich für viele besser an als der Gedanke mit dem zielgerichteten Wollen eventuell zu scheitern. Die Angst zu scheitern ist ein großes Hindernis, dessen sich viele Menschen nicht bewusst sind. Was wenn wir scheitern? Dann sind wir ungenügend, nicht gut genug, unfähig, wettert der innere Kritiker. Und wer sind wir dann vor uns selbst und in den Augen der Anderen?

Widerstand ist eine Art Selbstschutz. Er verhindert, dass wir etwas tun, von dem wir nicht wissen wie es wird oder wie es ausgeht. Und damit bremst er uns aus, verhindert Entwicklung und Wachstum. Das ist sein einer Pol. Aber alles hat zwei Pole, auch der Widerstand. Manchmal bewahrt er uns davor etwas aufzugeben, was vielleicht besser für uns ist, als wir es meinen oder er bewahrt uns davor ein Risiko einzugehen, das einen zu hohen Preis hat.

Bevor wir also Energie in ein Ziel geben macht es Sinn zu fragen: Warum will ich genau das erreichen? Was sind meine Motive?

Unsicherheiten, was unsere Ziele angeht, bedeuten immer, es fehlt der echte innere Drang. Wer diesen besitzt wird losgehen, trotz der Hindernisse die ihm auf seinem Weg begegnen können. Wer ein Herzensziel hat, spürt keinen Widerstand.

Mittwoch, 27. September 2017

Auf dem Boden der inneren Leere liegt die Lösung

Foto: AW

Immer wieder kommen Menschen zu mir, die unter einem Gefühl der inneren Leere leiden. Sie haben von Außen betrachtet alles was ihrem Leben Fülle schenkt, eine gesunde Familie, einen Partner, einen erfolgreichen Job, genug Geld und manche haben alles sogar im Überfluss. Und dann wieder gibt es Menschen, die nichts von alledem haben und dennoch diese innere Leere verspüren. Sich innen leer fühlen hat also nichts mit dem zu tun, was wir haben. Es hat mit unserem Sein zu tun, damit wer wir sind, sprich wie wir uns mit und in uns selbst fühlen.
Menschen die sich innerlich leer fühlen, fehlt häufig der Zugang zu genau diesem Gefühl. Sie spüren sich nicht. Wenn ich sie frage: "Wie fühlt sich diese Leere an?", kommen oft Antworten wie „blöd“ „schlecht“ oder ein: „Ich weiß es nicht, leer halt.“ „Blöd“, „leer“ und „ich weiß es nicht“ sind keine Gefühle. Es sind Beschreibungen eines Zustandes. Und meist kommen diese Beschreibungen aus dem Kopf und nicht von dort her wo der Zustand herrscht und von wo aus er etwas auslöst – die Leere nämlich.

Das Gefühl der inneren Leere kann sich wie eine Lücke oder ein schwarzes Loch anfühlen, das alles in sich einsaugt und verschluckt. Es kann sich wie eine tiefe Sehnsucht anfühlen, die namenlos ist. Es kann sich wie ein sich Auflösen anfühlen oder wie eine große Angst. Es kann sich wie eine tiefe Trauer anfühlen, die keinen Trost findet. Es kann auch eine ohnmächtige Wut sein, die keinen Ausdruck findet. Das und mehr liegt am Boden des Loches, das das Gefühl des Leer seins covert, weil derart existentielle Gefühle oft abgespalten werden, damit sie uns nicht überfluten.

Ungute starke Gefühle sind für uns Menschen schwer auszuhalten. Und weil viele Menschen sie nicht auszuhalten glauben tun sie das Nächstliegende: Sie versuchen das Loch zu stopfen. Übermäßiges Essen, Alkohol, Drogen, Menschen, Beziehungen, ständig in Aktion sein, arbeiten bis zum Umfallen, feiern, Geld ausgeben, exzessiver Sex, Dinge kaufen - all das sind Versuche diese Leere und die Gefühle, die auf ihrem Grund ruhen, zu vertreiben. Es sind untaugliche Versuche mit und an den untauglichen Objekten. Denn dass diese Versuche nicht hilfreich sind, zeigt sich daran, dass sie ständig wiederholt werden müssen und immer zum gleichen Ergebnis führen: Die Leere lässt sich nicht wegkonsumieren, wie exzessiv man es auch betreiben möge.
Auch hier gilt: An den Symptomen herumdoktern heilt nicht die Ursache.

Auf dem Grund dieses Loches ist ein Boden. Auf dem Grund dieses Loches liegt die Ursache, welche die zu diesem Gefühl der Leere führt. Leere ist immer ein Zustand des Mangels. Der gefühlte Mangel also ist der Urgrund der Leere. Dieser Mangel hat viele Gesichter. Es kann der Mangel an Liebe sein, an Wertschätzung, an Anerkennung, an Aufmerksamkeit, an Zuwendung, an Trost, an Lebensfreude u.v.m. Jeder der diese leere kennt leidet unter einem Mangel besonders. Auch ich kenne dieses Gefühl gut und ich weiß, es ist kein schlechtes Gefühl. Es ist ein ehrliches Gefühl, ein nach Oben drängendes Gefühl, das uns als Wegweiser dienen kann unseren Mangel zu erkennen, ihn uns genau anzuschauen und herauszufinden wie alt er ist und auf welches Bedürfnis er verweist. Meist ist dieses Bedürfnis so alt wie wir selbst.

Vielleicht haben wir als Kind nicht die Liebe bekommen, die wir gebraucht haben oder wir wurden ständig übersehen, nicht ernst genommen, nicht gelobt oder gar kritisiert. Vielleicht hat man uns vermittelt, dass wir ein schlechtes Kind sind oder wir wurden emotional und/oder körperlich missbraucht. Besonders Opfer von Missbrauch sprechen häufig vom Gefühl von innerer Leere. Hier hat dieses "sich leer fühlen" die Abwehrfunktion, Gefühle von Schuld und Scham abzuspalten.
Der Hauptgrund des sich leer fühlens liegt also häufig in einem Mangel an Liebe, Halt und Zuneigung zu einem Zeitpunkt in unserem Leben als dies am Nötigsten gebraucht hätten.

Wie aber überwindet man nun diese innere Leere?
Man könnte sich auf die Reise in die Vergangenheit begeben. Man könnte für sich herausfinden, was genau es ist, das diese Leere erschaffen hat. Wenn wir den Urgrund identifizieren können, können wir uns daran machen alte Wunden zu erkennen, sie anzuerkennen und sie zu versorgen, damit sie weniger schmerzen. Vorrausetzung dafür aber ist - und das ist aus meiner Erfahrung das Wesentliche: Der Mut durch einen Schmerz zu gehen, von dem wir glauben nicht aushalten zu können. Der Mut die Angst zu überwinden, die uns von uns selbst trennt und dem was wir wirklich suchen und brauchen.Die Erfahrung sagt: Das sind wir selbst, in all dem was uns ausmacht. Für mich ist es den Mut wert den Schmerz auszuhalten. Er wird sich auflösen, aber nicht, wenn wir ihn ein Leben lang unterdrücken, sondern nur dann, wenn wir ihn endlich herausfließen lassen.

Angelika Wende

www.wende-praxis.de

Montag, 25. September 2017

Lasst Euer Licht leuchten!




Es ist eingetreten, was viele von uns befürchtet und andere gehofft haben: Eine radikale rechte Partei wird ins Parlament einziehen. Vielen von uns macht das Angst. Es ist die Angst, die auf dem gründet, was unser Land glaubte überwunden zu haben - den Schrecken und die Schuld des Nationalsozialismus. "Wir werden Merkel jagen" postuliert einer dieser Rechten und erinnert mit dieser Wortwahl an jene unheilige Zeiten, in denen Menschen Menschen jagten um sie zu vernichten. Ja, da kann es einen gruseln. Und ja solche Parolen in einem vermeintlich zivilisierten Land können uns wieder das Fürchten lehren.

Es gibt schon genug zu fürchten und es gibt immer mehr zu fürchten. Zu fürchten ist auch die Weltlage. Die USA entsendet Langstreckenbomber und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea. All das ist fürchterlich und all das schürt Angst. Angst lähmt. Angst macht starr. Angst macht eng. Angst macht uns zu Marionetten. Haben wir Angst denken, handeln und reagieren wir aus der Angst heraus und damit der Situation unangemesssen.

Was frage ich mich an diesem Montagmorgen nach dieser desaströsen Wahl ist angemesssenes Denken? Was kann ich tun angesichts der Erkenntnis, dass die Geschichte uns Menschen nichts, aber auch nichts lehrt? Was tue ich als Einzelner angesichts all dieser Dinge, die ich nicht beeinflussen kann? Rege ich mich auf ändert das nichts an dem, wie es ist. Habe ich Angst ändert das nichts an dem, was ist. Es wird geschehen was geschehen wird und auch nach der Abgabe meiner Stimme ist mein Einfluss auf das große Ganze sehr gering und unbedeutend was die Lage in meinem Land und was die Lage in der Welt angeht. Ich kann am großen Rad nicht drehen. Ich habe keine Macht über andere Menschen. Und schon gar nicht über Regierungen.

Aber ich kann etwas tun. Ich kann an kleinen Rädchen drehen. Ich bin nicht ohnmächtig. Ich kann an meinen eigenen Rädchen drehen. Ich kann Vieles tun im Sinne der Menschlichkeit in einer Welt, die immer unmenschlicher wird. Ich kann wirken - auf mein eigenes Sein. Das ist das Einzige was ich beeinflussen kann, was ich gestalten kann. Und das ist es, was ich tun werde, trotz der leisen Angst, dass die Menschheit sich im Zweifel selbst vernichtet.

Lasst Euer Licht leuchten, dann macht es all das Dunkle da draußen heller!
Namaste Ihr Lieben